Schalter zur Schlankheit

21. August 2008, 11:01
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Mögliche neue Therapieansätze gegen Übergewicht: US-Forscher haben bei Mäusen zwei Proteine entdeckt, die für die Bildung von "guten" Fettzellen verantwortlich sind

London/Boston – Die Verfettung der Wohlstandgesellschaft schreitet trotz Nahrungsmittelkrise munter voran: Laut neuen Studien werden bis zum Jahr 2015 75 Prozent der US- Bürger übergewichtig oder fettleibig sein (mehr dazu hier).

Aber vielleicht kommt es dank Entdeckungen zweier Forscherteams aus den USA alles nicht ganz so dick. Die Wissenschafter haben zumindest bei Mäusen zwei "Protein-Schalter" entdeckt, welche die Produktion von Körperfett steuern, wie sie in zwei Studien im britischen Fachblatt Nature (Bd. 454, S. 961 und S. 1000) berichten. Und diese Schalter könnten zu einem neuen Ansatz für Therapien gegen Übergewicht führen.

"Gutes" braunes Fettgewebe

Grundsätzlich ist es ja so, dass Körperfett beim Menschen und anderen Säugetieren nicht gleich Körperfett ist. Neben dem klassischen weißen Speicherfett, dass zu Übergewicht führt, gibt es auch braune Fettzellen. Dieses "gute" Fettgewebe verbrennt mit der Nahrung aufgenommenes Fett und ähnelt in vielerlei Hinsicht eher Muskelgewebe.

In der ersten Studie zeigt Ronald Kahn von der Harvard Medical School in Boston mit Kollegen, dass bei Mäusen ein Protein namens BMP7 die Umwandlung von Vorläuferzellen in braune Fettzellen steuert. Tiere, die diesen "Fettschalter" im Übermaß produzierten, bildeten sehr viel braunes Fett. Diese Mäuse verbrauchten auch mehr Energie und verloren im Vergleich zu normalen Tieren an Gewicht.

Aus weiß mach braun

Bruce Spiegelman, Zellbiologe, ebenfalls von der Harvard Medical School, hat mit seinem Team einen zweiten "Eiweiß-Schalter" namens PRDM16 entdeckt, das seiner Meinung nach der "Master-Regulator" bei der Bildung von braunen Fettzellen ist. Diese neuen Erkenntnisse bringen die Forschung einen guten Schritte weiter auf dem Weg gegen das "böse" Speicherfett. In Spiegelmans Labor sucht man jedenfalls längst nach Wirkstoffen, die bei Mäusen (und womöglich auch Menschen) zur vermehrten Bildung von PRDM16 führen und weiße Fettzellen in braune verwandeln. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8. 2008)

  • Neue Erkenntnisse bringen die Forschung einen guten Schritte weiter auf dem Weg gegen das "böse" Speicherfett.
Im Bild: Fettzellen einmal ganz aus der Nähe betrachtet.
    foto: mag. marisa tschernatsch, inst. f. molekulare biowissenschaften, universität graz
    Credit: Mag. Marisa Tschernatsch, Inst. f. Molekulare Biowissenschaften, Universität Graz

    Neue Erkenntnisse bringen die Forschung einen guten Schritte weiter auf dem Weg gegen das "böse" Speicherfett.

    Im Bild: Fettzellen einmal ganz aus der Nähe betrachtet.

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