Der Jamaikaner fixierte mit neuem 200-m-Weltrekord in 19,30 Sekunden das Sprint-Double. Der 1,96 große Läufer löschte die 12 Jahre alte Bestmarke von Michael Johnson aus
Peking - Der Jamaikaner Usain Bolt hat am Mittwochabend bei den 29. Olympischen Sommerspielen in Peking mit dem nächsten Fabel-Weltrekord das Sprint-Double in der Leichtathletik perfekt gemacht. Nachdem der 1,96 m große Hüne bereits am Samstag die Finalkonkurrenten über 100 m in 9,69 Sekunden zu biederen Statisten degradiert hatte, triumphierte er einen Tag vor seinem 22. Geburtstag auch über 200 m trotz Gegenwinds souverän in der unfassbaren Weltrekordzeit von 19,30 Sekunden!
Johnson-Marke 19,32 gefallen
Damit löschte Bolt die zwölf Jahre alte Fabelmarke des US-Amerikaners Michael Johnson, der am 1. August 1996 in Atlanta in schon damals unglaublichen 19,32 zu Olympia-Gold gerast war, aus. Außerdem gelang ihm als erstem Sprinter seit Superstar Carl Lewis (USA) 1984 in Los Angeles der olympische Doppelsieg über 100 und 200 m. Allerdings hatte dieses Kunststück bisher noch kein einziger Athlet mit Weltrekorden über beide Distanzen geschafft.
"Ich habe mich müde gefühlt"
"Ich bin geschockt. Ich habe mich müde gefühlt, aber ehrlich alles
gegeben, um diese Leistung zu realisieren. Ich hätte eine solche Zeit
von mir vor den Olympischen Spielen nicht für möglich gehalten. Doch
diese Bahn ist sehr schnell und hat mitgeholfen, dass ich diese beiden
Weltrekorde brechen konnte", erklärte Bolt, der sich damit in Peking
einen Kindheitstraum erfüllte.
Der erfüllte Traum
"Das war mein Traum, seit ich ein
Kind war. Ich wollte Olympiasieger und Weltrekordler werden. Dass ich
das jetzt geschafft habe, ist einfach nur fantastisch. Ich habe mich
und mein Land stolz gemacht und bin jetzt einfach nur glücklich, dass
ich mein großes Ziel, hier Doppel-Olympiasieger zu werden, erreicht
habe. Ich hoffe, dass dieser 200-m-Weltrekord länger als jener von
Michael Johnson hält. Aber Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu
werden", betonte Bolt.
"Er ist nicht von dieser Welt"
Kim Collins, 2003 in St. Denis/Paris
Sensationsweltmeister über 100 m, meinte nach seinem sechsten Platz in
20,59 Sekunden in Peking fast schon resignierend: "Er (Bolt, Anm.) ist
kein Mensch. Er ist nicht von dieser Welt. Er ist wie eine
Halluzination. Er ist der Chef. Wenn du hinter ihm läufst und dabei
alles gibst, was du hast, und trotzdem nicht den Funken einer Chance
hast, dann ist das schon demoralisierend. Nicht einmal Michael Johnson
hat sich mit der Konkurrenz so gespielt. Usain hat uns heute
richtiggehend den Arsch versohlt. Das war einfach schrecklich."
Falsche Prognose
"Mein Weltrekord wird auch nach diesem Finale stehen", hatte die Prognose von Johnson, der den Endlauf im Olympia-Stadion miterlebte, gelautet. Doch der langjährige Dominator über 200 und 400 m sollte sich irren. Denn im Gegensatz zum 100-m-Finale, in dem Bolt aufgrund seines riesigen Vorsprungs bereits nach 80 Metern zu jubeln begonnen und "abgestellt" hatte, zog der Supersprinter aus der Karibik diesmal bis zur Ziellinie voll durch. Zunächst leuchteten trotz 0,9 Metern Gegenwind pro Sekunde 19,31 auf der Anzeigetafel auf, die Zeit wurde dann noch auf 19,30 korrigiert.
"China-Mission" noch nicht erfüllt
"Ich bin die Nummer eins!", schrie Bolt unmittelbar nach dem Sieg über seine Lieblingsstrecke, über die er 2002 im zarten Alter von 15 Jahren bereits Junioren-Weltmeister geworden war, in die TV-Kameras. Michael Johnson war ebenfalls total aus dem Häuschen. "Superman 2 - unglaublich. Das war noch fantastischer als sein Sieg über 100 Meter", betonte der ehemalige Seriensieger in einem BBC-Interview. Doch Bolts "China-Mission" ist noch nicht zu Ende. Nun will er auch noch mit Jamaikas Sprintstaffel seine dritte Goldmedaille in Peking holen.
Walk the line - zwei Disqualifikationen
Silber ging an den US-Amerikaner Shawn Crawford (19,96) , Bronze an dessen Landsmann Walter Dix (19,98). Wallace Spearmon (USA/19,95) und Churandy Martina (19,82) von den Niederländischen Antillen wurde beide wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert.
Jamaika dominiert auch 400 m Frauen-Lauf
Die weiteren beiden Leichtathletik-Entscheidungen im mit 91.000 Zuschauern erneut ausverkauften Nationalstadion "Vogelnest" standen klar im Schatten der One-Man-Show von Bolt: Favoritin Oxana Miankowa aus Weißrussland sicherte sich mit 76,34 m Gold im Hammerwurf vor der einmal mehr zweitplatzierten Kubanerin Yipsi Moreno (75,20), die nach dem WM-Titel 2003 in St. Denis/Paris auch schon in Athen 2004 sowie bei den Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki und 2007 in Osaka Silber geholt hatte. Bronze ging an die WM-Dritte Zhang Wenxiu aus China (74,32).
Zum Abschluss gab es dann noch einmal Gold für Jamaika: Melaine Walker gewann die 400 m Hürden überlegen in 52,64 Sekunden, der viertbesten Marke der Geschichte über diese Distanz. Dahinter landeten mit über einer Sekunde Rückstand Sheena Tosta aus den USA (53,70) sowie die Britin Tasha Danvers (53,84) auf den weiteren Medaillenrängen. (APA)