Forschungsrat für verpflichtendes Vorschuljahr

20. August 2008, 16:29
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Vorschulische Bildungseinrichtungen als Maßnahme für mehr Akademiker - Neue "Humanressourcen-Strategie"

Alpbach - Für ein verpflichtendes Vorschuljahr spricht sich der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) aus. In seiner neuen "Humanressourcen-Strategie" empfiehlt der Rat als eine der Maßnahmen für eine "signifikante Steigerung der Abschlussquoten im Tertiärbereich", die vorschulischen Einrichtungen "vermehrt als Bildungs- anstatt als Betreuungseinrichtung" zu positionieren.

Die "Humanressourcen-Strategie", die Teil der vom Rat geplanten "Forschungsstrategie 2020" werden soll, basiert auf einer vom RFT beauftragten Studie über "Humanressourcen in Österreich", Literaturrecherchen und Experteninterviews. Die im Frühjahr veröffentlichte Studie hat viele Hürden auf dem Weg zu mehr Akademikern in Österreich geortet. Demnach werde die Entwicklung nachhaltig vor allem durch ein segmentiertes und selektives Ausbildungssystem, das "Fehlen wissenschaftlicher Karriereoptionen" und einer "fehlenden Positionierung Österreichs als Hightech-Land" beeinflusst.

Förderprogramme um Technikinteresse von Frauen zu wecken

Um dem entgegenzuwirken, schlägt der Forschungsrat 39 Maßnahmen vor. Zur Steigerung der Akademikerquote - 2007 hatten 18 Prozent der erwerbstätigen Österreicher einen tertiären Abschluss, im OECD-Durchschnitt sind es 26 Prozent - empfiehlt der RFT u.a. einen verstärkten Fokus auf das Aus- und Weiterbildungssystem für Lehrer, institutionalisierte regionale Bildungsinformation für Übergänge auf dem Bildungsweg und eine erhöhte Durchlässigkeit der Bildungssysteme. Zur attraktiveren Gestaltung von Uni-Karrieren sollten die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen der Nachwuchsforscher verbessert werden.

Um mehr Frauen naturwissenschaftlich-technische Berufswege zu erschließen, sollten Förderprogramme zur Steigerung des Technikinteresses früh einsetzen, Lehrer im naturwissenschaftlich-technischen Bereich gezielt sensibilisiert und qualifiziert sowie Mädchen umfassend über Ausbildungen in diesem Bereich informiert werden. Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Beruf und Familie empfiehlt der RFT alternative Arbeitsmodelle zu forcieren und die Bewertungskriterien bei wissenschaftlichen Karriereverläufen zu überarbeiten.

Anreize für Forscher aus dem Ausland notwendig

Die Mobilität sollte durch frühzeitigen altersgerechten Englisch-Unterricht und die Verankerung sprachlicher und interkultureller Fähigkeiten als Schlüsselkompetenzen gefördert werden. In diesem Bereich schlägt der Rat weiters vor, eine "Brain-Gain-Strategie" zu entwickeln, die einerseits die Mobilität zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, andererseits den Wechsel zwischen Bildungswegen erleichtert. Für Forscher aus dem Ausland sollten vermehrt Anreize geschaffen und rechtliche Hindernisse abgebaut, die Vernetzung österreichischer mit ausländischen Forschern verbessert werden.

Schließlich will der Rat lebensbegleitendes Lernen "nachhaltig forciert" sehen und öffentliches Bewusstsein für den Wissenschaftsstandort Österreich im In- und Ausland schaffen. Zu letzterem empfiehlt der Rat unter anderem im Rahmen eines Standortmarketings nationale und internationale Imagekampagnen und die gezielte Ansiedlung von wissensbasierten internationalen Unternehmen. (APA)

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