Freie Software: Es geht um Großes

Markus Drenckhan, 20. August 2008 15:42

In der Diskussion über Open Source-Software geht es nicht nur um Computerprogramme - Es geht auch um Fragen des Miteinanders und wirtschaftliche Aspekte

Es geht um Großes, das machen Wortwahl und Vergleiche aller Beteiligten klar. In der Diskussion über Freie Software oder Open Source-Software geht es nicht nur um Computerprogramme und die Rechte von Programmierern und Anwendern. Es geht auch um Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders und wirtschaftliche Aspekte.

Software und Quellcode werden befreit

Die rasante Zunahme der Softwareumsätze Ende der Siebzigerjahre führte auch zu einer verstärkten Diskussion über Urheber- und Patentschutz. Je mehr die Software zur Ware wurde, desto mehr Unternehmen gingen dazu über, Programme nur noch in kompilierter Form ohne Quellcode zu verkaufen. Die Programmierer wurden mit Geheimhaltungsverpflichtungen (Non-Disclosure Agreements) an der Weitergabe von Informationen gehindert.

Richard Stallman, der damals das Labor des Massachusetts Institute of Technology nutzte, erlebte diese Entwicklung als Verfall des Programmierer-Netzwerkes. Als Reaktion gründete er 1984 das GNU-Projekt und damit den Begriff und die Idee der Freien Software. Der Name GNU ist ein Wortspiel und beinhaltet sowohl den Verweis auf „is not Unix“ wie auch auf das Tier. Ein Jahr später entstand die gemeinnützige Stiftung Free Software Foundation (FSF). Ziel des GNU-Projektes war es, in einer großen Gemeinschaft ein Betriebssystem mit offenem Sourcecode zu entwickeln.

Stallman formulierte vier Grundfreiheiten: Freiheit 0 ist die Freiheit, Programme für jeden Zweck einsetzen zu dürfen. Mit der Freiheit 1 – das Recht, die Programme zu analysieren und an eigene Bedürfnisse anzupassen – wird festgeschrieben, dass der Programmcode zugänglich gemacht werden muss. Das Recht, Softwarekopien an seinen Nachbarn weiterzugeben, ist Freiheit 2. Darin zeigt sich der soziale Aspekt der Wissenskommunikation. Freiheit 3 ist eine logische Konsequenz: das Recht, ein Programm zu verbessern und es der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Freie Software ist keine Freeware

Freie Software ist nicht mit kostenloser Software zu verwechseln. Freie Software dürfen sich Programme nennen, die entsprechend den oben stehenden Freiheiten vertrieben werden. Es geht darum, Programme statt Nutzungsrechte zu verkaufen. Das muss nicht kostenlos sein. Im Gegenteil, auf der Homepage des GNU-Projektes heißt es: „Weitervertrieb von Freier Software ist eine gute und legitime Aktivität; wenn du es tust, kannst du ebenso gut Gewinn damit machen“. Freie Software steht im Gegensatz zur proprietären Software, bei der sich der Urheber alle Eigentumsrechte vorbehält – im Falle von Programmen durch die Auslieferung ohne Sourcecode. Stallmans Motto lautet: „Frei wie in Freiheit – nicht wie in Freibier“.

Kampf um die Freiheit

Nachdem Linus Torvalds 1991 Linux vorgestellt hatte, begann schon bald ein reger Austausch zwischen Stallman und Torvalds. Technisch ergänzten sich das GNU-Betriebssystem und Linux perfekt. In den folgenden Jahren wurde aber immer deutlicher, dass die wachsende Entwicklerszene unterschiedliche Ziele hatte. Das führte schließlich 1998 zur Gründung der Open Source-Initiative (OSI) durch Eric Raymond, Bruce Perens und Tim O’Reilly. Für das GNU-Projekt steht der mündige Anwender im Mittelpunkt. Die Open Source-Initiative vertritt einen pragmatischeren, geschäftsorientierteren Ansatz und hat eher die Rechte der Programmierer im Blick. Die Gründer der OSI wollten der Freien Software-Bewegung mit Marketingmitteln neuen Schwung geben. In der Folgezeit kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Bewegungen. Dabei weichen die Definitionen beider Strömungen kaum voneinander ab. Am ehesten gibt es Unterschiede in der Lizensierungspraxis. Die GNU General Public License (GPL) ist die Software-Lizenz mit den striktesten Anforderungen in Bezug auf Programmcode, Verbreitung und Verwendung nicht-freier Software. Open Source-Lizenzen sind liberaler und eröffnen auch ein Miteinander von freier und proprietärer Software. Schwierig wird es dadurch, dass viele Lizenzen gegenseitig nicht anerkannt werden.

Bedrohung für Software und deren Hersteller

Die großen Softwarehersteller reagierten heftig auf die Freie Software-Bewegung. In einer viel zitierten Rede warnte Craig Mundie, CTO Microsoft, vor den Gefahren der Open Source-Software. Die Sicherheit von Programmen und Daten sei in Gefahr, Anwender würden möglicherweise teure Programme kaufen, deren Fortbestand und Support nicht gewährleistet seien. Vor zwei Wochen schickte Microsoft seine jährliche Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht. Die Bedrohung des Softwaregeschäftes durch Open Source-Software beschreibt das Unternehmen darin als das größte finanzielle Risiko. Als Gegenmaßnahme wird die Entwicklung preisgünstiger Software mit eingeschränkten Features genannt. Den Open Source-Softwareunternehmen wirft Microsoft vor, unkollegial zu handeln und sich Entwicklungen von Microsoft zu bedienen, statt in eigene Forschung zu investieren. Gleichzeitig bemüht sich der Konzern um Imagepflege und Einflussnahme. Neben einigen eigenen Open Source-Projekten ist das Unternehmen seit Mai dieses Jahres Mitglied der Open Source Business Foundation. (Markus Drenckhan)

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Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
21.08.2008 12:39
Open

Herzlichen Dank an den Standard, der als Foto zum Beitrag, passend zu "Open Source", den Turmbau zu Babel abgebildet hat!

sexyhumandigestingzombieinfestedvaginainsectfromhel
21.08.2008 13:59

Wenn das keine Riesen sind, wage ich sehr zu bezweifeln dass da der Turm zu Babel dargestellt wird. Sieht mehr nach dem Bau einer Sandskulptur aus, aber jeder ihre eigene Verbohrtheit.

Der Unkurze
21.08.2008 16:42

naja sieht aus wie ein sandturm zu babel ;)

Werner FROELICH
21.08.2008 09:52
Nobel-Preis and Richard Stallmann

Ich denke der Wirtschaft-Nobelpreis wäre der richtige für ihn!

Werner FROELICH
21.08.2008 09:50
Nobel Preis für Richard Stallman

Ich weiß zwar nicht welchen, aber meinetwegen den Wirtschafts-Nobelpreis

wolfindersteppe
 
20.08.2008 22:30
Ach so, Open Source stiehlt von M$?

Das ich da nicht lache. Beweise mal her, oder Abstand von solcher lächerlichen Aussagen nehmen! Als SW Entwickler will ich genau wissen wie es funktioniert und dass kann ich bei Linux sehr gut, bei M$ müsste ich elendlange NDA's unterschreiben um Zugriff auf Quellcode zu bekommen (wenn überhaupt) und dafür noch zahlen. Und Forschung? Na woher kommen wohl die alle OS und SW überhaupt? Von Unis. Nicht vergessen, wir sind so groß geworden da wir auf den Schulter von Titanen stehen...

Hubert Ungeist
21.08.2008 09:33
naja nicht ganz so einfache..

wenn etwa OpenProj MS Project nachempfindet - stiehlt es natürlich die Ideen die sich hinter MS Project verbergen, und teilweise auch die Umsetzungsideen.

Anderes ist wieder etwa frei: Netzplantechnik (die Grundlage vom Projektmanagement) ist eine Methodik die niemanden gehört.

Gantt Diagramme die Art der Darstellung gehört auch nicht MS

ChesneyB
29.08.2008 08:32

"wenn etwa OpenProj MS Project nachempfindet - stiehlt es natürlich die Ideen die sich hinter MS Project verbergen, und teilweise auch die Umsetzungsideen."

Womit wir wieder bei Trivialpatenten wären...

Wer hat da übrigens zuerst gestohlen?

Hubert Ungeist
29.08.2008 09:03
Sie haben schon teilweise recht..

nur ist es halt ein wenig unfair das einer es riskiert etwas ausprobiert und neuprogrammiert - und dann andere unter dem Schlagwort des RobinHood es nachempfinden und meinen damit niemanden zu schädigen und die "besseren" zu sein.

Des is so - und nicht anders..
 
20.08.2008 18:20
..ich leb vom coden... und: "Freie Software IST für die meisten kostenlose Software"

..und egal, wieviele rote Stricherl ich auch kriegen mag - ich bin gegen Freiheit 0-2!

ich verlage von keinem Musiker den Quellcode von seinem Lied, um es zu verbessern (Cubase/Reason/ect..)

ich verlange von keinem Grafik-Künsterl seine Cinema4d Datei..

ich brauch nicht die verwendete Farbpalette von einem Maler, damit ich sein Ölbild nachbessern, verändern oder anpassen kann..

ich recompiliere keine swf Datein, um eine gute Idee "an eigene Bedürfnisse anzupassen "

ich würde ausrasten, wenn einer meine Ideen kopiert oder "verbessert" ..

Ich hab meine hardware bezahlt
Hab für das BS bezahlt
Hab ein RAD-Tool um viel Geld gekauft
und wenn ich Arbeitszeit leiste - will ich dafür Geld..
PUNKT !

hellfast
22.08.2008 17:55

steh ein bissl an, was hat das mit "freier software" zutun?

hab übrigens auch für mein logic etc. gezahlt...

Bumbu
 
21.08.2008 17:11
Ich hab meine hardware bezahlt. Hab für das BS bezahlt .

Fällt Ihnen nicht auf, daß Sie bei Hardware für Ihr Geld mehr bekommen als für Software?

Hardware können Sie auseinander nehmen und zusammenbauen. Sie können (wenn Sie es können) Teile verschiedener Drucker zu einem zusammenbauen, oder mit ein paar Handgriffen den Verwendungszweck eines Stückes total ändern. Das ist Freiheit.

Bei Software geht das genauso, wenn man es kann und wenn man die Sourcen hat. Dann könnten Sie von Ihrem Liblingsdienstleister ihr Lieblingsfeature in Ihr Lieblingsprogramm einfrickeln lassen und sind vom Hersteller relativ unabhängig -- wenn der keinen ordentlichen Service mehr bietet, dann lassen Sie das Programm eben selbst geeignet warten und weiterentwickeln.

Solche Freiheit bietet Ihnen in der CS-Welt keiner.

Der Profichiller
 
21.08.2008 14:36

was ist so schwer zu verstehen an: „Frei wie in Freiheit – nicht wie in Freibier“???

DocSnyder
 
21.08.2008 13:07
ich glaub sie haben sich noch nicht so wirklich...

...damit auseinander gesetzt worums eigentlich geht und was die probleme sind bzw wären.
wenn plötzlich alles patentiert ist dann wünsche ich ihnen viel spass mit ihrer programmierarbeit und den gebühren die sie dann abführen dürfen für blödesbeispiel text auf dem bildschirm ausgeben.
im übrigen heisst freie software nicht dass man damit kein geld verdienen kann es ist halt ein anderes modell.
ein fruend von mir lebt fast ausschlisslich von freier software und sogar sehr gut weil er keie teuren lizenzkosten verrechnen muss sondern nur (fast) seine arbeitszeit was ihn antürlich unter umständen günstiger und somit interessanter machen könnte ;)

unregistr3d
21.08.2008 12:21

die Reaktionen da unten sind für "derstandard"-Verhältnisse völlig normal.
Kaum auszudenken dass jemand Geld für seine arbeit haben möchte!

Natürlich bevorzuge ich auch GPL-Software und benutze GIMP statt Photoshop und es wäre schrecklich für die GNU Tools was zahlen zu müssen.Aber wenn jemand Geld für seine SW haben möchte soll er es verlangen können, und wenn jemand seine SW in GPL-Lizenz stellen will soll er es doch machen.

Der Unkurze
21.08.2008 13:13

was hindert sie daran software unter die gpl zu stellen und trotzdem zu verkaufen??????????? (man kann gar nicht genug ? einfügen)

unregistr3d
21.08.2008 13:49

das schließe ich doch nicht aus,
der Sinn meines Posts war der das ich meine man solle niemanden dazu zwingen seine SW frei zu entwickeln oder umgekehrt. Das ist die alleinige Entscheidung des Programmierers. Ob er jetzt Geld durch eine non-Profit Organisation, durch den Verkauf, durch die SW selbst, durch Nutzungslizenzen, durch Serverwartung, durch eine laufende Dienstleistung, durch den Support, garnicht oder was einem sonst noch einfällt verdient ist doch seine Sache.

DocSnyder
 
21.08.2008 14:14
es zwingt ja auch keiner jemanden gratis zu arbeiten...

...der herr weiter oben meint gegen freiheit sein zu müssen. weil er offensichtlich das grundproblem bzw den ansatz nicht verstanden hat.
ich glaub wir meinen schon in ungefähr das selbe hab sie da wohl falsch verstanden wobei der vergleich mit dem buch auch ein wenig komisch ist.

unregistr3d
21.08.2008 15:18

ja, sorry...
muss mich in zukünft bemühen mich unmissverständlich auszudrücken. Man wird auf dieser Seite einfach zu schnell zur Vermutung von Vorurteilen getrieben.

leaping frog
21.08.2008 11:56
blöd ist es nur wenn jeder schaass patentiert wird

und sie ihre software nicht mehr schreiben können weil sie nciht das patent besitzen.

open source ist premier eine reaktion auf patente und weniger auf closed source.

Werner FROELICH
21.08.2008 09:48
und die Lizenz für die Deutsche oder Englische Sprache

wann bezahlst du die?

Basis Software muß eine Allgemeines Gut werden wie Sprache oder Schrift!
Punktum.

Hubert Ungeist
29.08.2008 09:04
Und wer entscheidet was "Basis" ist und was nicht?

Das wäre schon mal interessant.

unregistr3d
21.08.2008 12:12

für Sprache zahlt niemand etwas, oder zahlst du um in C programmieren zu können?
Allerdings für ein Buch zahle ich schon...

DocSnyder
 
21.08.2008 13:09
ja und wo ist ihr problem?

für die entwicklung eines programms das sie benötigen werden sie auch zahlen oder ?
da hätten sie schon wirklich glück wenn ihen gratis wer ihre spezialsoftware strickt den dann mir bitte auch weiter empfehlen ;)

unregistr3d
21.08.2008 13:56

ähm, für mich ist SW ein Buch geschrieben in einer Sprache (Programmiersprache).

Für die Nutzung einer Sprache muss ich nicht zahlen, für ein Buch allerdings schon (ist ja logisch).

Folglich:
Programmiersprachen sollten Allgemeines Gut bleiben. Aber das Software Allgemeines Gut werden soll finde ich sehr sehr unangebracht (wie im Post auf dem ich geantwortet habe behauptet wird)

Inwiefern hast du das jetzt missverstanden?

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