Roland Berger sucht Synergien und Sparpotenzial bei ORF-Online

20. August 2008, 14:03
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"Strukturelle Schwächen" bei Onlineaktivitäten sollen aufgezeigt werden - Wenig Verständnis beim Betriebsrat

Seit Anfang August durchforstet die Unternehmensberatung Roland Berger im ORF die Onlinedirektion sowie die ORF-Tochterfirma Online und Teletext GmbH nach Synergiemöglichkeiten und Sparpotenzial. ORF-Online-Direktor Thomas Prantner bestätigte, dass "die Struktur der Direktion und der Tochter evaluiert werden, mit dem Ziel strukturelle Schwächen aufzuzeigen".

Wenig Verständnis beim Betriebsrat

Beim ORF-Betriebsrat stößt die Maßnahme auf Unverständnis. Es bestehen bereits zwei von internen Arbeitsgruppen ausgearbeitete Untersuchungen zum Thema Onlineaktivitäten des ORF. Die Ergebnisse der zwei umfassenden Erhebungen liegen der Generaldirektion vor, diese habe daraus bisher aber keine Schlüsse gezogen, monieren Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser und Redakteurssprecher Fritz Wendl. "Stattdessen holt man sich eine kostspielige Unternehmensberatung ins Haus - und das in Zeiten, in denen Sparen angesagt ist", so Moser.

Idee von Wrabetz

Laut Prantner kommt die Idee für das Engagement von Roland Berger aus der ORF-Geschäftsführung. ORF-Chef Alexander Wrabetz habe alle Direktionen damit beauftragt, Vorschläge für Strukturreformmaßnahmen vorzulegen. In diesem Zusammenhang wurde die Unternehmensberatung beauftragt. Ziel ist es, Doppelgleisigkeiten in Arbeitsbereichen und Zuständigkeiten zwischen der Onlinedirektion und der Tochterfirma aufzuzeigen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Derzeit werden mit bis zu 25 Mitarbeitern Gespräche geführt, auch der örtliche Betriebsrat sei eingebunden. Ergebnisse sollen im September vorliegen.

Versäumnis in der Informationspflicht

Trotz der Einbindung des Online-Betriebsrats ortet Moser ein Versäumnis in der Informationspflicht seitens der ORF-Geschäftsführung. Wrabetz hätte die Konzernvertretung über die Untersuchungen informieren müssen, da es sich hier um eine konzernübergreifende Maßnahmen handelt, sagt der Zentralbetriebsratsobmann. Kommunikationschef Pius Strobl weist das zurück. Der Betriebsrat sei erst dann zu informieren, wenn es zu Personalmaßnahmen kommt - die Ergebnisse der Roland-Berger-Untersuchung seien indes noch offen.

Die ORF Online und Teletext GmbH und die Online-Direktion sind zwei voneinander getrennte Bereiche. Die GmbH ist eine ORF-Tochterfirma und produziert einen Großteil der Inhalte im ORF-Internetauftritt und im Teletext. Sie umfasst rund 90 Mitarbeiter - Geschäftsführer ist Karl Pachner. Die Onlinedirektion wurde im Jahr 2002 von Monika Lindner geschaffen. Prantner ist seit Anfang 2007 Online-Direktor, Petra Huemer und Hubert Nowak fungieren als Hauptabteilungsleiter. Insgesamt umfasst die Online-Direktion 25 Mitarbeiter. (APA)

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