Kurdischer Regimekritiker berichtet von Überfall in Wien

20. August 2008, 13:40
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Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Barzani-Sohn ab: Beweislage "zu dünn"

Wien - Entgegen der Darstellung der Wiener Gratisblättchens "Heute" wird gegen Masrur Barzani (39), den Sohn des Chefs der kurdischen Autonomieverwaltung im Nordirak, Massud Barzani, nicht wegen einer angeblichen Attacke auf einen Regimekritiker in Wien ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Wien hat schon vor Wochen die entsprechende Anzeige zurückgelegt und das Verfahren eingestellt. "Die Vorwürfe haben sich nicht beweisen lassen. Trotz zahlreicher Vernehmungen konnten Widersprüche nicht aufgelöst werden. Die Beweislage war letztlich zu dünn", meinte Behördensprecher Gerhard Jarosch am Mittwoch.

Gegen Masrur Barzani war eine Anzeige eingegangen, weil er am 16. Februar 2008 in Wien mit seinen Leibwächtern den 50 Jahre alten, in der Bundeshauptstadt lebenden Regimekritiker Kamal Quadir überfallen und verletzt haben soll. Der 50-Jährige hält an seiner Darstellung fest, wegen kritischer Worte an der kurdischen Führung angegriffen worden zu sein. Er hat den Beschluss der Anklagebehörde, seinen Behauptungen nicht weiter nachzugehen, nicht akzeptiert und einen sogenannten Fortführungsantrag gestellt. Ob das Ermittlungsverfahren wieder aufgenommen wird, muss nun das Wiener Oberlandesgericht (OLG) entscheiden.

Massud Barzani ist Chef der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) und langjähriger Rivale des Chefs der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), Jalal Talabani, des gegenwärtigen irakischen Staatspräsidenten. Die irakischen Kurden verfügen seit 1991 über ein de facto eigenständiges Gebiet innerhalb der irakischen Staatsgrenzen. In den Provinzen Arbil, Sulaimaniya und Dohuk entstand nach dem irakischen Überfall auf Kuwait eine kurdische Selbstverwaltung, auf die Bagdad keinen Zugriff hatte. Abgesichert wurde sie von den USA und Großbritannien, die das Gebiet nördlich des 36. Breitengrades zur "Flugverbotszone" erklärt hatten. Der nach Clan-Strukturen funktionierenden KDP wurden wiederholt Übergriffe auf Kritiker angelastet. (red/APA)

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