Späte Behandlung kann teuer kommen

20. August 2008, 13:42
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Rund 62.500 Österreicher leiden an rheumatoider Arthritis - Früh erkannt und intensiv behandelt könnten Schmerz und chronische Behinderungen verhindert werden

Wien - Die Krankheit tritt meist zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr auf, während die Betroffenen mitten im Leben stehen. Zu spät therapiert, drohen häufig Arbeitsunfähigkeit und Invalidität. Die Kosten dafür belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Wirtschaft, stellte heute der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie, Winfried Graninger, in einer Aussendung fest.

Doppelt bis dreimal so oft beim Arzt

"Chronische entzündlich-rheumatische Erkrankungen, an der Spitze die rheumatoide Arthritis, gehören zu den teuersten Krankheiten der gesamten Medizin", so Graninger, auch Leiter der Abteilung für Rheumatologie an der Medizinischen Universität Graz. Ein Blick in die Statistik zeige, dass RA-Patienten Gesundheitsleistungen deutlich öfter in Anspruch nehmen als andere Patienten. Sie besuchen mindestens doppelt so häufig den Allgemeinmediziner und haben dreimal so viele Termine beim Facharzt.

Folgen der späten Behandlung

Experten schätzen, dass in Österreich die Kosten bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf pro Patient jährlich 21.768 Euro betragen. "Ausgaben für Arztbesuche, Medikamente oder Spitalsaufenthalte machen davon aber nur ein Drittel aus", erklärte Graninger, "zwei Drittel der Krankheitskosten entstehen durch Krankenstände oder Erwerbsunfähigkeit als Folge zu später Behandlung."

Innovative Therapien

Um diese Folgeschäden zu minimieren sei die Früherkennung und rechtzeitige Therapie entscheidend, so Prof. Graninger weiter, "die Medizin hat heute innovative Therapien zu bieten, die in das Krankheitsgeschehen eingreifen und Patienten so eine dauerhafte Teilnahme am Erwerbsleben ermöglichen können".

Ursache Nummer Eins für Frühpensionierungen

In der EU sind entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparats, wie die rheumatoide Arthritis, bereits jetzt Ursache Nummer Eins für Frühpensionierungen, Invaliditätsrenten und Arbeitsplatzverluste. Im Rahmen einer Studie wurden die sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Erkrankung auf das private und berufliche Umfeld der Patienten untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass es schon in den ersten Krankheitsjahren zu einschneidenden sozialen Veränderungen kommt.

Eingeschränkte Mobilität und Einkommensverlust

Nach Angaben der Betroffenen gehören dazu vor allem eingeschränkte Mobilität (52 Prozent), eine Veränderung des beruflichen Status (51 Prozent) und damit verbunden Einkommensverluste (23 Prozent). Innerhalb von 6,5 Jahren sind bis zu 40 Prozent der Patienten nicht mehr in der Lage ihren Beruf auszuüben. Laut WHO (2003) steigt diese Zahl mit Fortschreiten der Erkrankung drastisch an: Zehn Jahre nach Ausbruch der Erkrankung sind bis zu 59 Prozent der RA-Patienten nicht mehr berufstätig.  (APA)

 

 

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    Unter "Rheuma" werden mehr als 450 Erkrankungen zusammengefasst, die unterschiedlichste Ursachen haben und zumeist chronisch verlaufen.

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