Investmentzertifikate im Aufwind

20. August 2008, 13:12
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Der österreichische Markt für Zertifikate ist nach Rückgängen im Juni mit Zuwächsen ins zweite Halbjahr 2008 gestartet

Wien - Der österreichische Markt für Zertifikate - von Banken begebenen Schuldverschreibungen auf unterschiedliche Basiswerte - ist nach Rückgängen im Juni mit Zuwächsen ins zweite Halbjahr 2008 gestartet. Die Marktstatistik des Zertifikate Forum Austria hat für den Berichtsmonat Juli einen Anstieg bei Zertifikaten von 1,2 Prozent bzw. 70 Mio. Euro errechnet.

In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres stieg das in Zertifikate investierte Volumen um 3,2 Prozent oder 178 Mio. Euro, teilte der Zertifikateforum Austria am Mittwoch mit. Die fünf führenden heimischen Zertifikate-Emittenten - Volksbanken, Raiffeisen Centrobank, Sal. Oppenheim, Erste Bank und Bank Austria mit einem Marktanteil von zusammen 70 Prozent - weisen damit per Ende Juli ein Volumen von 5,7 Mrd. Euro auf. Der Anteil von Anlageprodukten am Gesamtmarkt beläuft sich auf 99,3 Prozent, sogenannte "Hebelprodukte", also risikoreichere Zertifikate, kommen auf 0,7 Prozent.

"Während andere Anlageklassen zurzeit deutliche Volumensabflüsse verzeichnen, halten sich Zertifikate trotz der weiterhin unsicheren Finanzmärkte und des traditionell schwächeren Sommergeschäftes auf hohem Niveau bzw. können sogar Zuwächse verzeichnen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Zertifikate Forum Austria, Heinrich Karasek. Mit Zertifikaten ließen sich wegen deren Flexibilität auch im aktuellen Marktumfeld "schöne Erträge erwirtschaften".

Zertifikate ermöglichen es, an der Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Werts - wie Aktie, Index, Rohstoff, Fremdwährung - zu partizipieren. Anleger können damit auch in seitwärts tendierenden und fallenden Märkten Geld verdienen. Konservative Veranlagungen sind ebenso möglich wie - über Hebelprodukte höchst risikoreiche, bei denen hohe Gewinne ebenso möglich sind wie Totalverluste des eingesetzten Kapitals.

Volumen bei Hebelprodukten ging zurück

Das Volumen längerfristiger Anlageprodukte - wie Garantie-, Bonus- oder Index-Zertifikate - stieg im Juli leicht überproportional um 1,4 Prozent bzw. 79 Mio. Euro. In diesem Segment sind aktuell 5,7 (Juni: 5,6) Mrd. Euro investiert. Bei Hebelprodukten wie Optionsscheinen, Turbo- bzw. Knock-Out-Zertifikaten ging das investierte Volumen um 18,7 Prozent zurück, das "Open Interest" liegt bei 40 (nach 49) Mio. Euro. Hauptursache für diese Entwicklung waren gesunkene Kurse von Hebelpapieren, die im Juli durchschnittlich um 9,3 Prozent fielen.

Karasek rechnet mit einer Fortsetzung der Volumenszuwächse auch im zweiten Halbjahr. Im Gesamtjahr werde es zwar voraussichtlich kein zweistelliges Wachstum wie im Vorjahr geben, angesichts massiver Volumensabflüsse bei anderen Anlageinstrumenten ist Karasek mit der Entwicklung aber durchaus zufrieden.

Die Raiffeisen Centrobank (RCB) ermöglicht mit ihrer regelmäßig berechneten und veröffentlichten Kenngröße "Value at Risk" (VaR) eigenen Angaben zufolge eine objektivierte Risikoeinschätzung für Zertifikate. Der VaR wird zusammen mit dem Berater xtp Transaction-Partners alle zwei Wochen ermittelt und ist auf der RCB-Website (www.rcb.at) abrufbar. Der VaR wird mit komplexen mathematischen Modellen berechnet, berücksichtigt wird das Bonitätsrisiko des Emittenten ebenso wie das Kurs- und Volatilitätsrisiko sowie das Währungs- und Zinsrisiko. Wegen der komplexen Wirkungsweise von Zertifikaten ist eine zuverlässige Risikobestimmung generell schwierig. (APA)

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