Gary Glitter vor der Heimkehr

20. August 2008, 13:10
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Britischer Ex-Rockstar war nach Gefängnis in Vietnam "unerwünschte Person" in Thailand und Hongkong

Bangkok - Die Odyssee des aus vietnamesischer Haft wegen Kindesmissbrauchs entlassenen Ex-Rockstar Gary Glitter scheint beendet: Nach Angaben der thailändischen Polizei vom Donnerstag stimmte der 64-Jährige seiner Rückkehr nach London zu. Glitter hatte nicht in sein Heimatland zurück gewollt, wo ihn die Polizei auf dem Flughafen in Empfang nehmen und in ein Register für Sexualstraftäter eintragen will. 

Die thailändischen Behörden verweigerten dem unter seinem bürgerlichen Namen Paul Francis Gadd reisenden Glitter zwei Mal die Einreise: Das erste Mal nach seiner Freilassung in Vietnam, als er nicht den Anschlussflug von Bangkok nach London nehmen wollte, und das zweite Mal, nachdem Glitter von Hongkong abgewiesen worden war und wieder nach Bangkok zurückfliegen musste. Ein Polizeisprecher erklärte, man habe die Fluggesellschaft Thai Airways dafür verantwortlich gemacht, dass Glitter außer Landes gebracht werde.

Medienkarriere

 

 

Glitter, der Anfang der 70er Jahre mehrere Hits hatte und durch ausladende Perücken und glitzernde Bühnenkostüme von sich reden machte, saß wegen Kindesmissbrauchs zwei Jahre und neun Monate in Vietnam in Haft. Ihm wurden "obszöne Handlungen" mit zwei zehn und elf Jahre alten Mädchen zur Last gelegt. Am Dienstag war er wegen guter Führung entlassen worden. Vor einigen Monaten sagte er in einem Interview, er wolle seine Musikkarriere vielleicht wieder aufnehmen. Er wolle aber nicht nach Großbritannien zurück, vielmehr überlege er, nach seiner Freilassung nach Hongkong oder Singapur zu ziehen. 

Der ehemalige Glam-Rocker war in Großbritannien 1997 wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder auf der Festplatte seines Computers zu vier Monaten Haft verurteilt worden, von denen er die Hälfte absaß.  In Vietnam soll er britischen Medienberichten zufolge zeitweise mit einer Minderjährigen zusammengelebt haben. Der Sänger selbst hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sich als Opfer einer Medienkampagne dargestellt.

Die Kinderschutzorganisation Ecpat International hatte sich dafür ausgesprochen, Glitter notfalls mit Polizeigewalt nach Großbritannien zu bringen. Nur durch eine genaue Beobachtung könne gewährleistet werden, dass Glitter nicht neue Verbrechen begehe, sagte Ecpat-Vizechef Mark Capaldi in Bangkok. Die UNICEF-Expertin für sexuelle Ausbeutung von Kindern in Asien, Amalee McCoy, erklärte, bei Pädophilien sei die Gefahr eines Rückfalls besonders hoch.

In Großbritannien liegen gegen Glitter derzeit keine weiteren Anschuldigungen vor. Die britische Innenministerin Jacqui Smith sprach sich gegenüber dem Rundfunksender talkSPORT jedoch dafür aus, ihm nach einer Rückkehr künftig die freie Ausreise zu verweigern. Glitter werde sich in ein Register für Sexualstraftäter eintragen und künftig bei jeder Auslandsreise die Behörden um Erlaubnis fragen müssen. Mit seinem Strafregister dürfe es ihm nicht erlaubt werden, "irgendwohin auf dieser Welt" zu reisen. Glitters Freilassung und Odyssee machte am Donnerstag Schlagzeilen in der britischen Boulevardpresse. In einem Leitartikel der "Daily Mail" hieß es, kein Land "bei Verstand will diesen Perversen auf der Flucht auf seinem Boden haben".   (APA/dpa/AP)

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    Gary Glitter in Bangkoks Suvarnabhumi Airport

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