"Eine Frau soll den Mund halten"

20. August 2008, 12:18
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In einem Interview erzählt China-Korrespondentin Cornelia Vospernik unter anderem über die Situation chinesischer Frauen

China-Korrespondentin Cornelia Vospernik sprach gegenüber derStandard.at über Folterstühle zur Abschreckung, mutige ChinesInnen, ausgehandelte Ehen und einen rapiden gesellschaftlichen Aufholprozess. Wir bringen einen Ausschnitt. 

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derStandard.at: Wie ist die Situation der Frauen in China?

Cornelia Vospernik: Die Rolle der Frauen in China ist sehr ambivalent. Für viele kommunistische und ex-kommunistische Staaten kann man auf der positiven Seite vermerken, dass sie Gleichberechtigung gebracht haben. Aber in China scheint diese in erster Linie auf dem Papier zu bestehen. Die Frauen sind zwar alle berufstätig, aber auf dem Land sieht man immer noch Plakate, die propagieren, dass man Töchter genauso gut behandeln soll wie Söhne. Alleinerzieherinnen gelten geradezu als Aussätzige. Dass sich Familien immer noch Ehen aushandeln, selbst in der Hauptstadt, hat mich sehr überrascht. In Peking gibt es sogar einen Park, in dem sich Eltern ohne Wissen ihrer Kinder treffen und blind dates ausmachen.

Also, das vorherrschende Frauenbild ist sehr traditionell: Eine Frau hat schön zu sein, soll den Mund zu halten, soll die perfekte Ehefrau und Mutter sein und auch noch Geld nach Hause bringen. Dabei gibt es jede Menge erfolgreicher Managerinnen und Akademikerinnen. Es scheint aber von Frauen immer noch erwartet zu werden, dass sie sich nicht nur über ihre eigenen Leistungen, sondern über einen Mann definieren. Eine Künstlerin, die lang in Deutschland gelebt hat, hat es mir einmal so erklärt: In China gilt immer noch der Spruch: "Wenn Du einen Hahn heiratest, wirst Du ihm folgen und wenn Du einen Hund heiratest, dann folgst Du ihm auch."

Lesen Sie das gesamte Interview auf derStandard.at unter "Bewundere Mut von Chinesen, die mit uns über heikle Themen sprechen". (red)

  • Cornelia Vospernik: "Chinesen, die sich wirklich informieren wollen, wissen, wie das geht."
    Getty Images/Paula Bronstein

    Cornelia Vospernik: "Chinesen, die sich wirklich informieren wollen, wissen, wie das geht."

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