Assad in Moskau: Syrien will russische Raketen stationieren

20. August 2008, 19:11
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Verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Damaskus

Moskau/Damaskus - Die syrische Regierung ist bereit, als Antwort auf die US-Raketenabwehrpläne in Europa russische Raketenkomplexe vom Typ Iskander in Syrien zu stationieren. Das erklärte der syrische Präsident Bashar al-Assad in einem am Mittwoch in der russischen Zeitung Kommersant veröffentlichten Interview. Am Mittwochabend gab es dazu noch keine Stellungnahmen aus Moskau.

"Wir sind bereit, mit Russland bei all dem zusammenzuwirken, was seine Sicherheit festigen könnte", stellte Assad in dem Interview fest, das er im Vorfeld seines Moskau-Besuchs gab. "Ich denke, dass Russland wirklich über Gegenschritte nachdenken muss, um etwas gegen eine Einkreisung zu unternehmen."

Es gebe aber weder konkrete Vereinbarungen, noch habe man bereits verhandelt, betonte Assad, der am Mittwoch in Moskau Gespräche mit dem russischen Staatspräsidenten Dmitri Medwedew führen wollte.

Waffenkäufe

Bei Assads Besuch in Moskau sollen syrische Waffenkäufe eingeleitet werden. Assad verwies in seinem Interview auf den Konflikt in Georgien, wo angeblich von der georgischen Armee verwendete israelische Waffen gefunden wurden.

Der syrische Präsident stellte sich in dem Konflikt klar auf die Seite Russlands und erklärte, die USA und die Nato würden versuchen, Russland zu isolieren und einzukreisen, und sich dabei aller Mittel der Desinformation bedienen. Der Konflikt in Georgien habe beiden Ländern vor Augen geführt, dass sie gegen Israel und angesichts des westlichen Drucks auf Russland enger zusammenarbeiten müssten, sagte Assad. Syrien biete Russland deshalb an, mit der Stationierung russischer Raketen in Syrien zu kontern. Dies sei die adäquate Antwort auf die Stationierung US-amerikanischer Raketenabwehrsysteme in Europa.

Moskau wirft Israel vor, die georgische Armee ausgebildet und mit Militärfahrzeugen und Sprengstoff ausgestattet zu haben. Israel bestreitet das. Die Regierung verkaufe keine Waffen an andere Länder. Entsprechende Ausrüstung und Dienste könnten in Israel lediglich private Firmen mit Genehmigung des Verteidigungsministeriums anbieten.

Russland hat nach norwegischen Angaben seine militärische Zusammenarbeit mit der Nato ausgesetzt. Die Entscheidung betreffe sowohl die Kooperation mit dem Bündnis insgesamt als auch mit einzelnen Nato-Ländern. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2008)

 

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