Ölpreise bleiben in der Nähe ihres Fünf-Monats-Tiefs

5. September 2008, 15:42
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Die Ölpreise sind am Freitag auf Werte nur knapp über dem niedrigsten Stand seit fünf Monaten gesunken

New York/London/Frankfurt  - Die Ölpreise sind am Freitag auf Werte nur knapp über dem niedrigsten Stand seit fünf Monaten gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) kostete am frühen Nachmittag 106,84 Dollar (74,99 Euro) und damit um 1,05 Dollar weniger als am Vortag.

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank um 1,07 Dollar auf 105,25 Dollar. Einen weiteren Rückgang der Ölpreise halten Experten vorerst jedoch für unwahrscheinlich. Auch von der Sitzung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) in der kommenden Woche erwarten die meisten keine Überraschungen.

Die Ölpreise waren in der vergangenen Woche rasch gesunken, nachdem sie Mitte Juli eine Rekordmarke von knapp 150 Dollar erreicht hatten. Für einen weiteren Preisrückgang sei allerdings das Risiko weiterer Wirbelstürme im Golf von Mexiko zu groß, die dort die Ölförderung einschränken könnten, sagten Experten. Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass die OPEC bei der bevorstehenden Sitzung eine Reduzierung der Fördermengen beschließe.

Die OPEC wird am kommenden Dienstag in Wien über ihre offizielle Förderquote beraten. Allerdings gehen Fachleute überwiegend davon aus, dass die Quote des Öl-Kartells nicht verändert wird. Zwar sprächen die in den vergangenen Wochen deutlich gesunkenen Ölpreise prinzipiell für eine Kürzung. Allerdings liege die tatsächliche Förderung der OPEC derzeit deutlich über der vereinbarten Menge, weswegen eine Förderkürzung wenig glaubhaft wäre, unterstreicht die Commerzbank.

Ausstieg aus dem Rohstoffmarkt

Größter Unsicherheitsfaktor sei das einflussreichste OPEC-Mitglied Saudi-Arabien, das sich bei der Frage bisher bedeckt gehalten habe, sagte eine Expertin der DekaBank. Die HSH Nordbank erwartet aber gleichzeitig ein höheres Öl-Angebot aus Ländern, die nicht der OPEC angehören. OPEC-Rohöl kostete am Donnerstag 103,64 US-Dollar pro Barrel, wie das OPEC-Sekretariat am Freitag in Wien mitteilte. Das waren fünf Cent weniger als am Mittwoch.

Aus Furcht vor einer weltweiten Rezession sind viele Anleger am Freitag aus dem Rohstoffmarkt ausgestiegen. Der Preis für eine Tonne Kupfer rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Dollar und war damit so billig wie seit sieben Monaten nicht mehr. Das unter anderem für Stromkabel benötigte Metall wurde Börsianern zufolge zusätzlich vom stärksten Tagesplus bei den Lagerbeständen an der Londoner Rohstoffbörse LME seit vier Jahren belastet. "Der Anstieg war für einige Leute eine Überraschung", sagte ein Händler. "Als sie das gesehen haben, sind sie in Panik geraten." Es gebe zudem Gerüchte, dass weitere große Kupfermengen auf den Markt drängten.

"Der Pessimismus bezüglich der Weltwirtschaft überschattet die Rohstoffmärkte weiterhin", schrieben die Analysten von Barclays Capital in einem Marktkommentar. "Der Kapitalfluss in rohstoffgebundene Produkte ist auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren."

Analyst Tatsuo Kageyama von Kanetsu Asset Mamangent betonte: "Die Anleger sind beim Eingehen riskanter Positionen extrem vorsichtig. Es könnte eine Weile dauern, bis der Markt seine Zuversicht zurückgewinnt und die Fonds wieder Kapital in Rohstoffe umschichten."

Bei den Edelmetallen bremsten Schnäppchenjäger den Kursverfall des Goldes. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des gelben Metalls stabilisierte sich bei 794,20 Dollar. Vor allem indische Marktteilnehmer hätten zugegriffen, sagten Börsianer. "Denn in den kommenden Wochen stehen neben dem Beginn der Hochzeitssaison auch mehrere religiöse Feiertage an, zu denen traditionell viel Goldschmuck gekauft wird", betonte LBBW-Analyst Thorsten Proettel.

Platin setzte dagegen seine Talfahrt fort und verbilligte sich auf 1.365 Dollar je Feinunze. Das für Katalysatoren benötigte Metall litt dabei erneut unter der weltweit schwachen Autonachfrage, sagten Börsianer. Marktgerüchten zufolge verkauften die Autobauer ihre überschüssigen Bestände wieder. (APA/dpa/Reuters)

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