Telekom sucht Anschluss für das Festnetz

20. August 2008, 07:46
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Der Kundenschwund bei der Telekom Austria geht weiter, Marktführer A1 schwächelt, und nun drückt auch noch der Preiskampf im Internet auf die Erträge der Telekom Austria

Schlechte Nachrichten: Der Kundenschwund bei der Telekom Austria geht weiter, Marktführer A1 schwächelt, und nun drückt auch noch der Preiskampf im Internet auf die Erträge der Telekom Austria.

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Wien - Teils massive Rückgänge im Inlandsgeschäft weist die Telekom Austria (TA) in ihren Kernbereichen Festnetz und Internet aus. Im Festnetz konnte der Kundenschwund gegenüber dem Vorjahresquartal wohl von 54.400 auf 35.000 Lines weniger eingebremst und der Umsatz auf 1,043 Milliarden Euro stabilisiert werden. Mittlerweile schlägt allerdings der ruinöse Preiskampf im Internet voll durch. "Die Breitbandkommunikation ist schon Mobilfunkgeschädigt, auch dort herrscht Preisdumping", stellte der scheidende Festnetz-Chef Rudolf Fischer in seiner letzten TA-Pressekonferenz fest.

Das Resultat spricht Bände: Das Festnetz-Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach um 18,2 Prozent auf 312,6 Mio. Euro ein und das Betriebsergebnis halbierte sich auf 53,2 Mio. Euro.

Da auch der Mobilfunk im Inland schwächelt (der A1-Umsatz ging um 3,7 Prozent auf 806,4 Mio. Euro zurück, das Vorsteuerergebnis um ein Prozent auf 309,8 Mio. Euro), ist die TA zusehends vom Auslandsgeschäft abhängig. Und da vor allem von Bulgarien und Weißrussland, wo die Ebit-Margen noch jenseits der 50 Prozent liegen. Mobiltel und Velcom im Weißrussland hat bei der TA im zweiten Quartal denn auch die Rückgänge des inländischen Festnetz- und Mobilfunkgeschäfts kompensiert.

Den Konsensus hat Österreichs größter Telekomkonzern dennoch klar verfehlt. Enttäuschend seien die Ergebnisse, sagten Analysten unisono. An der Börse Wien zeigte sich dies nicht, die Erleichterung darüber, dass die TA ihre Jahresprognose bestätigt hat, überwog. Die TA will beim Umsatz fünf Prozent zulegen, der Gewinn wird um zwölf Prozent schrumpfen. Die TA-Aktie legte um 1,6 Prozent auf 13,19 Euro zu, hat seit Jänner aber über 30 Prozent verloren.

Unterm Strich verdiente die TA mit 96,3 um 34,3 Mio. weniger als im Vorjahreshalbjahr und deutlich weniger als die am Markt erwarteten 109 Mio. Euro. Der Konzernumsatz stieg von 2,35 auf 2,54 Milliarden Euro.

Wie der teilstaatliche Konzern die anhaltenden Probleme in den Griff kriegen will, dazu blieb Ta-General Boris Nemsic Auskünfte schuldig. Für die Belegschaft, die im Festnetz Personalabbau im Großen Stil fürchten muss, sandte der langjährige A1-Chef eine positive Message aus: "Durch Rudi Fischer habe ich das Festnetz lieben gelernt." Es sei Kerngeschäft und auch kein Anhängsel oder gar eine Last. Aber den technischen Neuerungen (die Zahl der Wählämter wird dank IP-Technik drastisch reduziert) sei Rechnung zu tragen. Die von Betriebsratschef Michael Kolek in der Presse angeregte Partnersuche wollte Nemsic "nicht kommentieren". Dass Koleks Vorstoß mit Nemsic abgesprochen sei, dementierte der TA-Chef. An der Restrukturierung ändere das aber nichts. Und zu den seit Jahren regelmäßig wiederkehrenden Plänen für eine Karriere bei A1-Partner Vodafone sagte Nemsic scherzhaft: "Wenn es meine Gesundheit erlaubt, bleibe ich bei der TA." Fakt ist, dass über die gewünschte Beamten-Auffanggesellschaft bei der ÖIAG nicht vor der Nationalratswahl am 28. September verhandelt wird. Von 17.684 Beschäftigten sind 9500 im Festnetz.

Um ein bisschen Geld hereinzubekommen, erhöht die TA Tarife und Mahngebühren kräftig. Einwählen ins Internet mit "AonFlash10" (für zehn Stunden Surfen) kostet ab Herbst 10,90 Euro statt 7,90 pro Monat und Online-Surfen tagsüber drei statt 2,60 Cent pro Minute und abends 2,10 statt 1,40 auf 2,10 Cent. Die erste Mahnung einer Rechnung schlägt mit zehn Euro statt 4,36 zu Buche, jede weitere 16 statt 10,90 Euro. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2008)

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    Über fette Erträge im Mobilfunkgeschäft in Weißrussland und Bulgarien hat Telekom-General Boris Nemsic leicht lachen. Im österreichischen Festnetz steht dafür Knochenarbeit und Personalabbau an.

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