Drei Siege, zwei Niederlagen

20. August 2008, 06:24
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Österreichs Li Qiangbing nach zwei Erfolgen im Achtelfinale - Chen Weixing in dritter Runde gegen Weltranglisten-Ersten Wang Hao - Robert Gardos und Liu Jia gescheitert

Das österreichische Tischtennis-Team bei den Olympischen Spielen in Peking hat am frühen Mittwochnachmittag seine ersten beiden Einzelkämpfer verloren. Robert Gardos unterlag in der zweiten Runde dem Kroaten Zoran Primorac 2:4 (-10,-8,6,-5,5,-9), danach verlor Liu Jia in Runde drei gegen die Niederländerin Li Jie 1:4 (-5,-8,9,-10,3). Für den ÖTTV waren damit nur noch Li Qiangbing, Chen Weixing und Werner Schlager im Bewerb.

Der Niederösterreicher Chen Weixing besiegte in seinem Auftakt-Match den Inder Kamal Sharath Achanta 4:1 (5,12,2,-8,10). In Runde drei trifft Chen am Donnerstag um 6.00 Uhr MESZ auf den chinesischen Lokalmatador, Weltranglisten-Ersten, Silbermedaillen-Gewinner von Athen 2004 und Titel-Co-Favoriten Wang Hao. Schlager bekommt er ebenfalls am Donnerstag (8.00 Uhr) mit dem Südkoreaner Yoon Yae Young zu tun. Yoon drehte gegen den Australier Henzell einen 1:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg um.

Die Oberösterreicherin Li Qiangbing hat bereits das Achtelfinale erreicht. Die 23-jährige Oberösterreicherin setzte sich in Runde zwei gegen die Italienerin Wenling Tan Monfardini 4:2 (-8,7,8,-8,5,4) durch und bestand auch gegen die als Nummer 16 gesetzte Deutsche Wu Jiaduo, gegen die sie in sieben Sätzen mit 4:3 gewann und damit ins Achtelfinale einzog.

Robert Gardos war mit einer "weißen Weste" in das Duell mit Primorac gegangen. Kein einziges seiner vier Einzel-Matches hatte er davor bei diesen Spielen noch verloren und dabei drei Top-20-Spieler auf seine Abschussliste gesetzt. Gegen den wie der Belgier Jean Michel Saive und der Schwede Jörgen Persson bei seinen sechsten Spielen angetretenen Primorac hatte der Tiroler freilich die schwierige Partie vorausgeahnt.

"Er kennt mich sehr gut", bezog sich Gardos auf die vor Olympia gemeinsam bestrittenen Trainingslager in Faak am See und Düsseldorf. "Er hat sich taktisch sehr gut vorbereitet, ich habe im gesamten Match keinen einzigen leichten Ball gehabt." Auch an der Konzentration habe es gemangelt, jeden Tag hatte er wichtige Spiele zu absolvieren. "Ich war nicht ganz wie an den ersten Tagen, obwohl ich mich zurückkämpfen konnte."

Die Belastungen mit den vielen Medienterminen und den Eindrücken haben Gardos nicht wie gewünscht sich auf den Sport konzentrieren lassen. "Hier hat man nicht so viel Zeit, sich nur auf Tischtennis zu konzentrieren." Wie schon gegen Ri schien sich der ÖTTV-Profi aber doch wieder in einen siebenten Satz retten zu können, ein ins Netz geschlagener Sitzer brachte jedoch die Vorentscheidung.

"Wenn wir in den siebenten Satz gegangen wären, wäre es für mich positiv gewesen", meinte Gardos. "Denn ich habe eine gute Kondition." In den Augen von Primorac hatte man gesehen, dass er unsicher war. ÖTTV-Bundestrainer Ferenc Karsai: "Primorac hat schon Angst gehabt. Zwei Sätze waren auch recht knapp. Aber 'Robby' hat jeden Tag ein wichtiges Spiel gehabt. Insgesamt hat er keine schlechte Leistung gebracht."

Das meinte auch Gardos über sich, sprach von einem positiven persönlichen Resümee seiner ersten Olympischen Spiele. Ein bisschen tat ihm das Ausscheiden auch deswegen weh, da er sich in der dritten Runde gegen den Dänen Michael Maze leichter als gegen Primorac getan hätte. "Maze kennt mich nicht so gut, er kann daher nicht so eine gute Taktik gegen mich spielen. Gegen Spieler wie Primorac muss man hingegen schon sehr gut sein."

Als Grund für das Ausscheiden sah Gardos auch, dass er als in der Weltrangliste nicht ganz vorne klassierter Spieler so früh in das Turnier hatte einsteigen müssen und damit nach dem Teambewerb kaum eine Pause hatte. "Die anderen haben zwei Tage Pause. Ich glaube nicht, dass das fair ist." Auch Primorac erkannte, dass ihm die Müdigkeit seines Gegners geholfen hat. "Aber Gardos hat trotzdem gut gespielt, es war eine große Leistung von ihm."

Während Gardos angesichts der zu erwartenden Verbesserung in die Top 40 der Weltrangliste schon wieder positiv in die Zukunft blickte, saß Liu Jia nach ihrem Match minutenlang frustriert neben dem Court. Gerade einen Satz hatte sie im Einzelbewerb ihrer dritten Olympischen Spiele gewonnen. "Olympia liegt mir nicht, immer verliere ich in der ersten Runde", sagte "Susi".

Hatte die Linzerin 2000 in Sydney nach überstandener Vorrunden-Gruppe gegen Li Jia Wei aus Singapur in der ersten Hauptrunde 1:3 verloren, war vor vier Jahren in Athen ebenfalls bei Lius Erstauftritt Endstation, und zwar gegen die Japanerin Ai Fujinuma mit 3:4. Gegen Verteidigerin Li Jie hatte die Europameisterin 2005 das Problem, dass sie noch nie gegen sie gespielt hatte. "Sie hat weniger Spin, ich habe das ganze Jahr mit mehr Spin trainiert."

Da sei es schwierig, sich innerhalb der Partie umzustellen. "Sie spielt unangenehm und aggressiv", meinte die Europa-Top-12-Siegerin über die Weltranglisten-45. "Ich habe keinen Rhythmus gefunden und keine Nerven mehr gehabt." Nach 0:2-Rückstand und Gewinn des dritten Satzes war Satz vier entscheidend, als Liu Jia eine 8:6-Führung aus der Hand gab. Im letzten Satz war dann der Widerstand gebrochen, Liu Jia gab ihn glatt mit 3:11 ab.

Die gebürtige Pekingerin hatte sich viel für dieses Turnier vorgenommen, dementsprechend war sie enttäuscht. An die Spiele 2012 wollte sie da noch gar nicht denken. "Was in vier Jahren ist? Da werde ich Kinder bekommen", meinte sie in einer ersten Reaktion. Freilich sollte das keine versteckte Erklärung des baldigen Rücktritts sein. "Es ist einfach jetzt in diesem Moment noch sehr schwierig."  (APA)

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    Li Qiangbing bewies bei ihrem Fünfsatzsieg gegen die Deustche Wu Jiaduo starke Nerven.

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    Schwere Aufgabe für Chen Weixing in der dritten Runde.

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