Wege zum besseren Wein

19. August 2008, 22:00
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Internationale Experten der Rebsortenforschung beim ersten "World Sauvignon Congress" in Graz

Auf Sauvignon Blanc, eine weiße, hocharomatische Rebsorte, konzentriert sich der "World Sauvignon Congress" in Graz Ende August. Erstmals werden sich internationale Experten anlässlich einer Großveranstaltung nur zu dieser Rebsorte über alle Forschungsaspekte austauschen: Dazu zählen Klonen- und Aromenforschung, Untersuchungen zu den Einflüssen von Boden und Klima sowie Weinbautechniken. Ergänzend dazu wird die internationale Marktsituation analysiert.

Sauvignon Blanc wird heute in den meisten Weinbauländern hergestellt und ist eine Trendsorte wie seinerzeit Chardonnay. Beheimatet ist sie in Frankreich, wo sie an der Loire und in Bordeaux stark verbreitet ist. Einen besonderen Stellenwert hat Sauvignon für Neuseeland, da er der "Eintrittschein" des Landes am internationalen Weinmarkt war. In Österreich ist Sauvignon Blanc die Leit-sorte der steirischen Weinbaugebiete. Einen Platz an der internationalen Sonne konnte man sich allerdings erst in Nischenbereichen erobern, was Grund für das Land Steiermark und den Landesweinbauverband war, den Kongress zu veranstalten, um sich international mehr Gehör zu verschaffen.

Sauvignon Blanc zählt zu den ältesten Rebsorten überhaupt, aus der beispielsweise der rote Cabernet Sauvignon entstand. Die Verwandtschaft konnte 1997 mithilfe von DNA-Analysen nachgewiesen werden. Dadurch legte Sauvignon auch an Prestige zu, was sich nicht zuletzt auf die Preise auswirkte. Analysen an der Abteilung für Rebzüchtung des Bundesamts Klosterneuburg zeigen auch eine Verbindung mit Traminer, "Mutter" oder enger Verwandter vieler Rebsorten. Ferdinand Regner, Leiter der Abteilung, der zu diesem Thema auch am Kongress referieren wird, verglich dazu die "Bausteinabfolge" der Erbsubstanz verschiedener Rebsorten. Als Rebsorten-Züchter sei es interessant, so Regner, "welche Sorten ,gut' vererben. Sorten verschwinden, und Klimaänderung verlangt nach besser angepassten Sorten."

Auch wenn der vergorene Traubensaft eine Jahrtausende alte Sache ist, sind physiologische Funktionen und Abläufe im Rebstock junge Forschungsbereiche. In der Aromenforschung werden aromenbildende Faktoren identifziert. Außerdem wird eruiert, durch welche Kulturmaßnahmen diese beeinflussbar sind. Klonenforschung befasst sich mit der vegetativen Vermehrung von "gutem" Rebmaterial. Ziel ist, den Rebstock resistenter gegenüber Krankheiten und Virenbefall zu machen und so größere wirtschaftliche Sicherheit zu haben. "Schwerpunkt der Rebzüchtung speziell in Österreich ist, Sorten zu züchten, die weniger Pflanzenschutzbedarf haben", erklärt Regner.

Dass viele Vortragende beim Kongress aus Neuseeland und Frankreich kommen, ist logisch angesichts der Bedeutung von Sauvignon in diesen Ländern. Mike Trought vom Marlborough Wine Research Centre befasst sich mit Einflussfaktoren auf die Aromenbildung, ebenso wie sein französischer Kollege Denis Dubourdieu von der Universität Bordeaux, der Forschungsergebnisse im Bereich Aromenvorstufen präsentieren wird. Der Australier Richard Smart wieder ist Experte auf dem Gebiet der Laubwandforschung. Neben Ferdinand Regner wird auch Wolfgang Renner vom Landwirtschaftlichen Versuchszentrum in Haidegg zu Klonenforschung und Einfluss des Lesezeitpunktes auf Weintyp und Hefeaktivitäten referieren.

Für die Winzer und Önologen, an die sich dieser Kongress richtet, geht es ebenfalls darum, "ihre" Rebsorte im Ganzen besser zu verstehen. Was wieder zum direkten Nutzen für den Konsumenten führt: nämlich zu besserem Wein. (Luzia Schrampf/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2008)

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