Die Grammatik von Röhren und Trompeten

19. August 2008, 20:28
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Elefanten haben eine regelrechte Sprache entwickelt: Sie kommunizieren mit neun verschiedenen Lauten, die abgewandelt und kombiniert werden

Tiere verstehen zu können wie Dr. Dolittle, ist ein Wunsch vieler Menschen. Die "Sprache der Tiere" zu erforschen, besonders jene der Säugetiere, ist Aufgabe der Arbeitsgruppe "Mammal Communication Lab". Ein Arbeitsschwerpunkt liegt bei den afrikanischen Elefanten, den weltgrößten Landsäugetieren.

Natürlich kann man die Kommunikation von Tieren nicht direkt mit der menschlichen Sprache vergleichen, aber auch Tiere haben Lautsysteme entwickelt, um sich mit ihren Artgenossen zu verständigen.

Elefanten haben neun verschiedene Laute, wie "Rumbles", "Roars", "Barks" oder "Trumpets" (so die internationalen Bezeichnungen). Jedoch hört sich jeder "Rumble" oder "Roar" unterschiedlich an; je nach Situation werden die einzelnen Lauttypen abgewandelt, was das ganze System wiederum sehr komplex macht.

Der häufigste Elefantenlaut ist nicht etwa das Trompeten, sondern der "Rumble". Bei diesem Laut liegen die tiefsten Lautanteile im Infraschallbereich (unterhalb der Hörschwelle des Menschen). Der "Rumble" enthält viele Informationen, auch kann man einen Elefanten anhand seiner "Rumbles" individuell erkennen.

Ein besonderer Vorteil des tiefen Schalls ist, dass er von der Umwelt wenig abgeschwächt wird. Elefanten können sich mit diesen Lauten bis über eine Entfernung von vier Kilometern hinweg verständigen.

"Gesprochen" wird in den verschiedensten Situationen, und es gibt auch Parallelen zum Menschen. Elefantenweibchen äußern sich viel häufiger als die Männchen, denn im Gegensatz zu den einzelgängerischen Bullen leben Weibchen in Familienverbänden mit ihren Jungen. Sie äußern Kontaktrufe, um die Gruppe sowie die Wanderungen zu koordinieren, sie reagieren auf die Hilfe- und Protestlaute von gestolperten oder hungrigen Jungtieren und "begrüßen" bekannte Familien mit speziellen Lautäußerungen.

Individueller Hilfeschrei

Die Anatomie des stimmbildenden Apparates ist bei fast allen Säugetieren vom Mensch bis zum Elefanten ähnlich. Mit Ausnahme des Trompetens bilden auch Elefanten die meisten Laute mit dem Kehlkopf, weshalb es strukturell keine großen Unterschiede zwischen einem Elefantenlaut und einem gesprochenen Wort gibt.

Jedoch basiert die menschliche Sprache auf willkürlichen grammatikalischen Regeln, die bei Tieren so nicht vorkommen. Aber selbst Elefanten sind in der Lage, Laute zu kombinieren. So wird einem Hilfeschrei oftmals ein individuell charakteristischer "Rumble" beigefügt. Elefanten geben somit sogar an, "wer" Hilfe benötigt ("Hilfe-ich"). Das ist besonders bei sozial lebenden Tieren, wie es die Elefanten sind, von Bedeutung.

Das große Interesse an den tierischen "Sprachen" hat seine Ursache nicht zuletzt darin, dass die Entstehung der menschlichen Sprache vermutlich auf ähnlichen Entwicklungsschritten beruht, wie wir sie bei den Tieren beobachten können, weswegen wir durch die Erforschung der Signalevolution auch eine Menge über uns und unsere Vorgeschichte erfahren können. (Angela Stöger-Horwath/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2008)

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    Elefanten sind soziale Wesen. Auf Wanderungen äußern sie Kontaktrufe, um die Gruppe zu koordinieren.

  • Zur PersonAngela Stöger-Horwath (31) studierte Zoologie an der Universität Wien. Die Leiterin des Mammal Communication Labs im Tiergarten Schönbrunn beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Kommunikation von Elefanten, unter anderem in einem vom FWF finanzierten Forschungsprojekt. Für ihre Dissertation mit dem Titel "Vocal Learning and Vocal Ontogeny in African Elephants" wurde sie im März mit dem DOC-Award der Uni Wien ausgezeichnet. (red)
    foto: privat

    Zur Person
    Angela Stöger-Horwath (31) studierte Zoologie an der Universität Wien. Die Leiterin des Mammal Communication Labs im Tiergarten Schönbrunn beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Kommunikation von Elefanten, unter anderem in einem vom FWF finanzierten Forschungsprojekt. Für ihre Dissertation mit dem Titel "Vocal Learning and Vocal Ontogeny in African Elephants" wurde sie im März mit dem DOC-Award der Uni Wien ausgezeichnet. (red)

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