Deutlicher Zuspruch für Cannabis-Legalisierung

19. August 2008, 19:08
154 Postings

Oberösterreichische Studie kommt zu eklatant anderen Ergebnissen als EU-Erhebung

Wien/Linz - Hasch oder Härte? Wie sehr die heimische Jugend gegen eine Legalisierung von Cannabis ist, ist unter Experten umstritten. Das Eurobarometer zum Thema "Junge Menschen und Drogen" hatte für Österreich aufsehenerregende Werte ausgewiesen (der Standard berichtete). 75 Prozent der 15- bis 24-jährigen Teens und Twens waren der Meinung, Cannabis sollte verboten bleiben.

Eine repressive Sicht, die man bei heimischen Stellen nicht recht glauben mag. Wie beim Institut für Suchtprävention in Oberösterreich: Dort werden seit dem Jahr 2000 Drogenstudien erstellt, die jüngste im Jahr 2006. Befragt wurden mehr Junge als bei der EU-Umfrage. Dort waren es 500 Interviewte, in Oberösterreich 670 Personen, von denen 37 Prozent schon Cannabis konsumiert haben.

Die Ergebnisse differieren deutlich, legt Seifried Seyer vom Institut dar. Die Befragten in Oberösterreich hatten sechs Antwortmöglichkeiten: Die Situation belassen, die Verfolgung verschärfen, statt Haft nur mehr Geldstrafe anzudrohen, Cannabis in Apotheken abzugeben, Abgabe mit Altersbegrenzung oder völlig Freigabe.

Für irgendeine Form der Freigabe sprachen sich dabei knapp 40 Prozent aus, im Gegensatz zu den 25 Prozent beim Eurobarometer. Für härtere oder gleichbleibende Strafen plädieren 45 Prozent, der Rest für die Rückstufung von Drogenvergehen auf Verwaltungsstrafen wie etwa Falschparken.

Einen Trend zu mehr Repression bei den bisherigen drei Studien beobachtet aber auch Seyer. Er führt diesen auf eine allgemeinen Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft, etwa auch beim Tabakrauchen, zurück.

Auch Wiens Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid hätte die EU-Zahlen "aus meinem Fachbauch heraus so nicht eingeschätzt". Schmid, der sich von Berufs wegen "viel mit Jugendlichen unterhält, und mit Wirten, die in Jugendlichenlokalen hinter der Budel stehen, redet", zeichnet ein anderes Bild: "Ich glaube, dass die Mehrheit der Jugendlichen einen wesentlich liberaleren Zugang zu Cannabis hat", sagt er. Die herrschenden Gesetze hält Schmid für "im Grunde akzeptabel". (Irene Brickner, Michael Möseneder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.8.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Mehrheit der Jugendlichen hat einen wesentlich liberaleren Zugang zu Cannabis.

Share if you care.