Drei Favoriten für Barack Obama

19. August 2008, 18:01
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Der demokratische Kandidat dürfte das Geheimnis, wer mit ihm ins Rennen geht, demnächst lüften

Barack Obama dürfte das Geheimnis, wer als sein Vizepräsidentschaftskandidat mit ihm ins Rennen geht, demnächst lüften. Zwei Senatoren und ein Gouverneur haben die größten Chancen, das Ticket mit ihm zu lösen.

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Wann präsentiert Barack Obama seinen Vize? Es summt im Washingtoner Bienenstock, die Spekulationen haben den Höhepunkt ihrer Fieberkurve erreicht. Glaubt man der New York Times, dann will Obama das Geheimnis spätestens heute, Mittwoch, lüften, wenige Tage vor dem Nominierungskonvent der Demokraten, der nächste Woche in Denver stattfindet.

Wer den Spitzenkandidaten als "Running Mate" auf die Zielgerade begleitet, weiß im Moment wohl nur eine Handvoll Eingeweihter. Obamas Gattin Michelle und sein Chefstratege David Axelrod dürften eingeweiht sein, dazu die Tochter von John F. Kennedy, Caroline, und der Jurist Eric Holder, die zusammen die Biografien der Bewerber auf eventuelle Schwachstellen abklopften.

Alle schweigen wie Gräber. Jonathan Alter von Newsweek bringt den Stand des Rätselratens denn auch auf eine griffige Formel. "Wer was weiß, redet nicht. Und wer redet, weiß nichts."
Dennoch, drei Favoriten scheinen sich herauszuschälen, zumindest führen sie die Spekulationsliste an. Alles Männer: Joseph Biden, Tim Kaine, Evan Bayh.

Biden, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat, würde Obama um außenpolitische Erfahrung bereichern. Erst am Montag kehrte er von einer Krisenmission in Georgien zurück. Man kennt ihn als weltläufigen Gentleman und parlamentarisches Urgestein.
Bereits seit 1972 vertritt er den Bundesstaat Delaware in der kleineren, aber feineren der beiden Kammern. Biden, der sich im Winter vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur bemühte, gilt als exzellenter, wenn auch mitunter etwas langatmiger Redner. Den Wandel, den Obama verkündet, verkörpert der Grauschopf allerdings nicht.

Kaine, der Gouverneur Virginias, zählt zur Garde der Nachrückenden in den Reihen der Demokraten. Er begann seine Karriere als Anwalt, später wurde er Bürgermeister von Richmond. Zwischen ihm und Obama, heißt es, stimmt die Chemie. Kaine war im vorigen Jahr einer der ersten Politiker von Rang, die den Newcomer unterstützten - gegen das Establishment der Partei, das anfangs fast geschlossen auf Hillary Clinton setzte. Die Loyalität der frühen Stunde kommt ihm heute zupass. Außerdem kann er als Lokalmatador helfen, mit Virginia einen der am härtesten umkämpften Bundesstaaten zu gewinnen.

Bayh, der Senator Indianas, galt noch vor zwei, drei Jahren als Geheimtipp im Rennen um die Nachfolge George W. Bushs. Der Senatorensohn steht in der Mitte des politischen Spektrums. Damit wäre er die ideale Besetzung für Obamas Versuch, auch jene Wähler zu erreichen, die normalerweise eher den Republikanern zuneigen. (Frank Herrmann aus Washington, STANDARD, Printausgabe, 20.8.2008)


 

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    Sie haben die besten Chancen, an der Seite Obamas ins Rennen zu gehen: Joe Biden, Tim Kaine und Evan Bayh (von li.nks

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