Geheimnisse, die wie ein Garten im Schrank wachsen

19. August 2008, 17:14
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Das Jüdische Theater macht Vergangenheit lebendig

Wien - In Österreich wird heuer mit einem Gedenkjahr an 1938 erinnert. Laut Warren Rosenzweig, dem Leiter des Jüdischen Theaters Austria, sollte man aber versuchen, "weiter zu kommen als nur zu gedenken" und "etwas für die Zukunft tun". Der Regisseur möchte mithilfe des Theaters "etwas Lebendiges schaffen" , denn dort könne "privaten Geschichten begegnet werden" . Mit Der Garten im Schrank, das morgen, Donnerstag, nach einigen Hindernissen Premiere feiert, hat er eine persönliche Odyssee erlebt.

Rosenzweig schrieb das Stück, in welchem Fragen der kollektiven Erinnerung aufgearbeitet werden, bereits 1988, 50 Jahre nach Kriegsbeginn und während der Kurt-Waldheim-Ära. Anstoß dafür waren auch die Auseinandersetzungen, mit denen der in New York aufgewachsene Regisseur in Österreich aufgrund seiner jüdischen Herkunft konfrontiert wurde.

Vom Kulturamt wurde es damals mit der Begründung, es sei "für die österreichische Bühne nicht interessant, da es von Vergangenheit handelt", abgelehnt. Zwanzig Jahre später wurde es erneut als "uninteressant" beurteilt. Bislang hat Rosenzweigs 1999 gegründetes Jüdisches Theater Austria nie Subventionen vom Staat erhalten, die Antragstellung sei "jedes Jahr das gleiche vergebliche Spiel".

Die Geschichte dreht sich um eine Familie, die ihre wie ein Garten wachsenden Geheimnisse in einem Schrank aufbewahrt. Gesprochen wird über diese düstere Vergangenheit nie. Doch eines Tages versucht ein Gastarbeiter diese Geheimnisse aufzustöbern.

Für seine Freiluft-Inszenierung in Mariahilf hat Rosenzweig eine besondere Location und Form gewählt: Auf dem Platz vor der Mariahilfer Kirche können die Zuschauer zwischen zwei Spielebenen und Sprachen wählen. Das Stück konnte zwar nicht das Kulturamt überzeugen, jedoch die Jury des Inter-Kultur-Preises 2008, der im September an Rosenzweig übergeben wird.

Ab morgen kann sich jeder selbst ein Urteil über das Stück mit und über Vergangenheit bilden. (Barbara Fuchs, DER STANDARD/Printausgabe, 20.08.2008)

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