Retrospektive wider das Vergessen

19. August 2008, 17:13
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Im KZ Mauthausen findet zum vierten Mal eine Open-Air-Filmretrospektive zum Thema Widerstand und Solidarität statt

Mauthausen - "Filme, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen sollen", erzählt Frank Stern vom Institut für Zeitgeschichte, der die Filmabende moderieren wird. Es gehe nicht einfach um die Vergangenheit, es gehe um die Gegenwart, darum, dass die Menschen sich fragen: Wie würden sie sich in solchen Situationen verhalten?

Stern spricht etwa von der sogenannten Mühlviertler Hasenjagd - einer Jagd auf geflohene Häftlinge aus dem KZ Mauthausen, an der sich im Februar 1945 Zivilisten freiwillig beteiligt hatten. "Die individuelle Verantwortung ist noch nicht abgeschlossen", meint Stern.

Die Retrospektive würde von der Lokalbevölkerung sehr gut angenommen werden, meint Harald Huttenberger, der lokale Leiter der Gedenkstätte von Mauthausen. Das Verhältnis der heutigen Einwohner von Mauthausen zur Vergangenheit ist dennoch kompliziert. "Manche finden alles lästig, manchen ist es egal, es gibt eine kleine Gruppe, die sich aktiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt, andere wieder distanzieren sich vollständig" , erzählt Andreas Baumgartner, der 2002 eine Studie über Konzentrationslager in der Wahrnehmung der Bevölkerung durchgeführt hat.

Stereotype fänden sich noch immer, es sei aber nicht mehr so, dass ehemalige Häftlinge als Verbrecher gesehen werden. "Sie werden mit Respekt behandelt, aber was hinter verschlossenen Türen, an Stammtischen passiert, kann ich natürlich schwer beurteilen." (Sofia Khomenko, DER STANDARD/Printausgabe, 20.08.2008)

Von 20. bis 23. August

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