Aufregung um Fake-Doku im ORF

19. August 2008, 14:47
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"art.genossen" berichtete über einen zweiten Turm für den Steffl - Erzdiözese über "absurde Sommerloch-Story" sauer - ORF wollte provozieren

Aufregung gibt es derzeit um eine nicht-gekennzeichnete ORF-Fake-Dokumentation, die am Montagabend über die Aufstockung des Nordturms des Wiener Stephansdoms berichtet hat. Vor allem die Erzdiözese reagierte "not amused" auf die "absurde Sommerloch-Story" in der Kultursendung "art.genossen". In einer Aussendung machte der Pressesprecher der Erzdiözese, Erich Leitenberger, am Dienstag Schluss mit den Gerüchten: "Der Stephansdom bekommt keinen zweiten Turm, der unausgebaute Nordturm bleibt wie er ist."

Zeitungen übernahmen PR-Gag

Der ORF hatte im Vorfeld der am Montagabend auf ORF 2 ausgestrahlten Dokumentation angekündigt, die "art.genossen"-Redaktion sei bei ihren Recherchen auf einen konkreten Plan zum Bau des unvollendeten Nordturms gestoßen - freilich ohne hinzuzufügen, dass es sich um einen Fake-Beitrag handelt. Einige Zeitungen übernahmen den PR-Gag und kündigten auf ihren Programmseiten im Rahmen der ORF-Kultursendung die Enthüllung geheimer Pläne rund um Wiens Wahrzeichen an. Auch in der Sendung selbst sei "nicht so deutlich gesagt worden, dass es um eine Fantasie ging", moniert Leitenberger nun.

Auf Grund der entstandenen Verwirrung hat sich die Erzdiözese am Dienstag bemüßigt gefühlt, den Spekulationen ein Ende zu bereiten: "Das Domkapitel - das einzig kompetente Organ für Baumaßnahmen am Stephansdom - war noch nie mit einer solch absurden Idee konfrontiert", so Leitenberger. Schon angesichts der ungeheuren Kosten, würde "in Zeiten, in denen Pensionisten, Alleinerziehende und Mehrkinderfamilien kaum über die Runden kommen, niemand an ein solches Vorhaben auch nur denken".

"Hochkarätige Kollaborateure"

Der ORF argumentiert, der Beitrag sei in erster Linie als Provokation gedacht gewesen, so Kommunikationschef Pius Strobl. Dass eine solche Aktion die Glaubwürdigkeit der Kultursendung untergraben könne, sieht man beim ORF nicht. Das Stilmittel der Fake-Doku sei bewusst gewählt worden, "um ein an sich ernstes und von vielen Emotionen begleitetes Thema - Architektur und Stadtgestaltung - aufzugreifen und eine breitgeführte Diskussion darüber anzuregen". Dieses Projekt hält der Sender für "gelungen" - nicht zuletzt dank der "hochkarätigen 'Kollaborateure', wie Bildungsministerin Claudia Schmied und Dompfarrer Toni Faber".

In Österreich war zuletzt die - als solche angekündigte - Fake-Dokumentation "Das Wunder von Wien" zu sehen, die davon ausging, dass die Nationalelf die Fußball-Europameister gewonnen hat. Aufruhr und Empörung um eine politische Scherz-Reportage hat es vor rund zwei Jahren in Belgien gegeben. Damals hatte das französischsprachige öffentlich-rechtliche Fernsehen zur besten Sendezeit überzeugend berichtet, das flämische Regionalparlament habe die Unabhängigkeit des niederländischsprachigen Landesteils erklärt. Erst nach einer halben Stunde klärte der Sender über die Inszenierung des Dramas auf - Bevölkerung und Politiker reagierten entrüstet. (APA)

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    Laut der Fake-Doku sollte der Steffl einen zweiten Turm bekommen.

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