Das bunte Hautbild

19. August 2008, 14:35
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Pigmentflecken zieren fast jedes Menschen Haut - Nicht immer ist eindeutig, ob zu viel oder zu wenig Farbstoff vorliegt

"Bunt", so bezeichnen Mediziner das Hautbild vieler Erwachsener. Das klingt zumindest schöner wie "fleckig" und in der Tat besitzen nur Babys eine Haut, die so ebenmäßig ist, wie die von Schneewittchen. Neben den klassischen Falten finden sich mit zunehmendem Alter auch eine Reihe anderer Hautveränderungen. Pigmentstörungen gehören dazu.

Weiße Hautflecken: Vitiligo

Generell macht die Konsultation eines Dermatologen für jede Pigmentstörung Sinn. "Ich erlebe immer noch falsche Diagnosen", bedauert Adrian Tanews Metier, Leiter der Pigmentambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus und rückt die Weißfleckenkrankheit hier ganz besonders ins Licht. Vitiligo, nennen Mediziner die Hypopigmentierung, deren Ursache nach wie vor ungeklärt ist.

Braune Hautflecken: Melasma

Die weißen Hautflecken, die infolge des Verlustes pigmentbildender Zellen (Melanozyten) zustande kommen, zeigen sich ganz offensichtlich. Trotzdem ist die Verwechslung mit Melasma, einer Hyperpigmentierung, gerade bei Frauen mit hellem Teint, keine Seltenheit. Bizarr braune Flecken im Stirn und Wangenbereich lassen hier die umgebende Haut ungewöhnlich blass anmuten. Vitiligo lautet die Fehldiagnose.

Falsche Diagnose, falsche Therapie

Die Konsequenzen freilich sind unerfreulich. Denn wie zu erwarten, kommt mit der falschen Diagnose auch eine falsche Therapie. Wer bleicht, in der Hoffnung die braunen Flecken eines Melasma im Gesicht wieder los zu werden, verliert mitunter mehr Pigmente als ihm eigentlich lieb ist. Bei der Vitiligo ist jedoch gerade das Einwandern von Melanozyten in die betroffenen Hautbezirke erwünscht, die Behandlung mit chemischen Bleichmitteln, wie Hydrochinon, ist folglich kontraproduktiv.

Unheilbar bis heilbar

Immerhin, mehr als zwei Prozent aller Österreicher sind von Vitiligo betroffen. Dass sie unheilbar ist, wird zu Unrecht kolportiert. "Von heilbar bis unheilbar, die Weißfleckenkrankheit birgt das gesamte Spektrum", erklärt Tanew und ärgert sich über den therapeutischen Nihilismus so mancher seiner Kollegen. Dabei verspricht eine Kombinationstherapie aus Calcitonin-Inhibitoren und Ultravioletter Bestrahlung, vor allem bei Lokalisation im Gesicht, große Erfolge. Frustran sind dagegen die Ergebnisse einer Behandlung der Vitiligo auf Händen, Füßen und im Genitalbereich.

Fehlende Pigmente schwerer behandelbar

Ganz sicher ist, ein zu wenig lässt sich wesentlich schwieriger behandeln, wie ein zu viel. Angeborene genetische Hypopigmentierungen, wie der bekannte Albinismus, sind hier der beste Beweis. Präventiv bietet sich sowieso nichts. Wer dagegen ohne Lentigines solares (altersflecken) alt werden will, dem bleibt zumindest eine Option: Sich konsequent vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.

Altersflecken (Lentigines solares)

Die Hellbraunen, scharf begrenzte Flecken sind eine der häufigsten Formen von Hyperpigmentierung und vollkommen harmlos.  Bei chronischen Sonnenanbeter können sie sich schon diesseits der Dreißig präsentieren, stellen für den Mediziner aber nur ein kosmetisches Problem dar: "Wir kümmern uns nicht um die Lentigines solares, sondern akzeptieren sie als harmlose Alterserscheinung", erklärt der Dermatologe. Eine fachärztliche Begutachtung der "harmlosen" Flecken empfiehlt er aber immer, denn die Lentigo maligna, eine Vorstufe des bösartigen Melanoms, weist Ähnlichkeiten auf. (phr)

 

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    Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist ein Beispiel der Hypopigmentierung mit ungeklärten Ursachen.

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