Verweigerin der Pimmel-Zensur

19. August 2008, 17:52
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Ein kleiner Kunstskandal machte die Münchner Illustratorin Rotraut Susanne Berner berühmt - Am 26. August feiert sie ihren 60. Geburtstag

München/Hildesheim - Von ihren Auflagen können viele AutorInnen nur träumen: Allein die Wimmel-Bücher der Münchner Illustratorin Rotraut Susanne Berner wurden weltweit mehr mehr als eine halbe Million Mal verkauft. Aber erst ein kleiner Kunst-Skandal machte die Kinderbuch-Autorin, die am 26. August 60 Jahre alt wird, einem größeren Publikum bekannt. Vor einem Jahr sollte sie in einem Bilderbuch vor dem Erscheinen in den USA bei einem männlichen Akt den kaum sichtbaren Penis wegretouchieren. Berner lehnte die Zensur ab, und für ihren Hildesheimer Gerstenberg Verlag platzte ein lukratives Geschäft.

Skandälchen

Über das "Pimmelchen-Skandälchen" und darüber, dass ihre Ablehnung zur "Heldentat stilisiert wurde", schmunzelt Berner heute, zumal ein anderer US-Verlag das Werk nun unzensiert veröffentlicht hat. Überhaupt betrachtet die gebürtige Schwäbin die Welt mit Humor. In ihren Büchern für die Kleinsten wimmelt es von drolligen Gestalten, da tauchen Frauen mit einem Faible für komische Hüte auf, ein Jogger verliebt sich nach einem Sturz in eine hilfsbereite Hundehalterin. Bei Hanser läuft ihre Reihe über das Kaninchen-Junge Karlchen bestens. Der kommerzielle Erfolg ist da, Berner wurde zudem viermal mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2006 für das Gesamtwerk.

Künstlerische Anerkennung wird ihr wie den meisten Kinderbuch-Illustratoren dagegen selten zuteil. "Das hat etwas mit der Kunstrezeption zu tun", vermutet die studierte Grafik-Designerin. "Ich persönlich leide aber nicht darunter." Seit Jahren engagiert sie sich für ihre Zunft, gründete das "Forum Illustratorum" (Filu) und war an der Gründung der "Stiftung Illustration" beteiligt, die Nachlässe sammelt. Das Erbe der Zeichner, "ein Stück Kulturgeschichte", werde sträflich vernachlässigt, betont Berner.

Ausstellungen

Eine Wanderausstellung würdigt jetzt ihr beeindruckendes Gesamtwerk, das die Gestaltung von etwa 800 Buch-Umschlägen sowie die Illustration literarischer Texte - etwa für Hans Magnus Enzensberger oder T.C. Boyle - einschließt. Stationen sind das Bilderbuchmuseum in Troisdorf, die Galerie der Stadt Fellbach bei Stuttgart sowie im April 2009 das Wilhelm-Busch-Museum Hannover. Darüber hinaus erscheint pünktlich zum Geburtstag ein "Nacht-Wimmelbuch", das die Jüngsten sicherlich wieder lieben werden. Ihr Erfolgsgeheimnis? "Ich habe zu dem Kind, das ich war, einen ganz guten Draht", meint Berner. "Das ist etwas, das man pflegen kann." (APA/red)

 

Zur Person

Rotraut Susanne Berner wurde 1948 in Stuttgart geboren und ist international eine der bekanntesten und meistgeehrten Illustratorinnen. An der Fachhochschule in München absolvierte sie ihr Grafik-Design-Studium. Seit 1977 arbeitet Rotraut Susanne Berner als freie Grafikerin und Illustratorin und hat eine Vielzahl von Kinder- und Jugendbüchern bebildert. Für ihr Gesamtwerk wurde die Illustratorin 2006 mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet. In früheren Jahren hatte sie bereits für Einzeltitel wie Das Sonntagskind (1984), Als die Welt noch jung war (1996) und Bloße Hände (1998) den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten und war drei Mal für den Hans-Christian-Andersen-Preis nominiert.

  • Rotraut Susanne Berner lächelt über das "Skandälchen".

    Rotraut Susanne Berner lächelt über das "Skandälchen".

  • Die Zeichnung der 7.5 mm kleinen Nackt-Skulptur aus dem Kinderbuch "Winter-Wimmelbuch" der Illustratorin Rotraut Susanne Berner.
    Foto: EPA/Gerstenberg Verlag

    Die Zeichnung der 7.5 mm kleinen Nackt-Skulptur aus dem Kinderbuch "Winter-Wimmelbuch" der Illustratorin Rotraut Susanne Berner.

  • Ebenfalls aus dem "Winter-Wimmelbuch"
    Foto: EPA/Gerstenberg Verlag

    Ebenfalls aus dem "Winter-Wimmelbuch"

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