Thailand erklärt Gary Glitter zur "unerwünschten Person"

20. August 2008, 13:33
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Ex-Rockstar aus Haft in Vietnam entlassen - Will nicht in seine britische Heimat zurück - 2005 unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von zwei elfjährigen Mädchen festgenommen

Bangkok - Der nach drei Jahren Haft wegen Kindesmisshandlung in Vietnam entlassene Ex-Rockstar Gary Glitter will nicht in seine britische Heimat zurückkehren. Bei einem Zwischenstopp auf dem Flughafen von Bangkok weigerte sich der 64-Jährige am Mittwoch in eine Maschine nach London einzusteigen und blieb im Transitbereich, wie die thailändischen Einwanderungsbehörden mitteilten. Thailand erklärte ihn zur "unerwünschten Person" und kündigte eine Ausweisung nach Großbritannien an.

Zu der kam es vorerst nicht: Noch am Mittwoch ist Glitter von Bangkok nach Hongkong geflogen. "Wir haben für ihn einen Flug nach Hongkong arrangiert", bestätigte ein Sprecher von Thai Airways International (THAI).  Der Musiker mit dem bürgerlichen Namen Paul Francis Gadd hatte mit den Behörden über einen Flug in ein anderes Land verhandelt. Die frühere britische Kronkolonie Hongkong war eines der Ziele, die er ausgewählt hatte.

 

Reisefähig

Weil der Musiker in Bangkok über Schmerzen im Brustbereich klagte, wurde er untersucht und am Flughafen ärztlich behandelt. Nach Angaben eines Flughafenarztes litt der Sänger an einer leichten Entzündung im Rippenbereich. Der Arzt verschrieb ihm ein Schmerzmittel, erklärte ihn jedoch für reisefähig.  Die thailändischen Behörden erklärten ihn postwendend zur persona non grata. Der Leiter der Einwanderungsbehörde, General Chatchawal Suksomjit: "Er ist eine Gefahr für jede friedliche und ordentliche Gesellschaft und beleidigt die Moral der Thailänder".

Die Kinderschutzorganisation Ecpat International hatte sich dafür ausgesprochen, Glitter notfalls mit Polizeigewalt nach Großbritannien zu bringen. Nur durch eine genaue Beobachtung könne gewährleistet werden, dass Glitter nicht neue Verbrechen begehe, sagte Ecpat-Vizechef Mark Capaldi in Bangkok. Die UNICEF-Expertin für sexuelle Ausbeutung von Kindern in Asien, Amalee McCoy, erklärte, bei Pädophilien sei die Gefahr eines Rückfalls besonders hoch.

Der Ex-Rockstar, der Anfang der 70er Jahre mehrere Hits hatte und durch ausladende Perücken und glitzernde Bühnenkostüme von sich reden machte, saß wegen Kindesmissbrauchs zwei Jahre und neun Monate in Vietnam in Haft. Am Dienstag war er entlassen worden. 1997 war Glitter in Großbritannien schon einmal zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden, nachdem Kinderpornografie auf der Festplatte seines Computers gefunden worden war. In Vietnam soll er britischen Medienberichten zufolge zeitweise mit einer Minderjährigen zusammengelebt haben. Der Sänger selbst hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sich als Opfer einer Medienkampagne dargestellt.

In Großbritannien liegen gegen Glitter derzeit keine weiteren Anschuldigungen vor. Die britische Innenministerin Jacqui Smith sprach sich gegenüber dem Rundfunksender talkSPORT jedoch dafür aus, ihm nach einer Rückkehr künftig die freie Ausreise zu verweigern. Glitter werde sich in ein Register für Sexualstraftäter eintragen und künftig bei jeder Auslandsreise die Behörden um Erlaubnis fragen müssen. Mit seinem Strafregister dürfe es ihm nicht erlaubt werden, "irgendwohin auf dieser Welt" zu reisen. (APA/dpa)

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