Blogger Zola: "Sie belügen die Menschen"

19. August 2008, 10:46
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Am 14. August wurde Zola verhaftet - Mittlerweile ist er wieder frei und berichtet weiter - Seine Heimatstadt darf er derzeit nicht verlassen

"Um mein Leben aufzuzeichnen". Deswegen hat Zhou Shuguang am 19. Mai 2004 unter dem Namen Zola seinen Blog zuola.com gestartet. Mittlerweile ist er einer der bekanntesten chinesischen Blogger.

Am 14. August beantwortete Zola via Mail Fragen von derStandard.at. Am selben Tag wurde er beim Verlassen seines Hauses in ein Auto gezerrt und für einige Studen festgehalten. Mittlerweile ist er zwar wieder frei, darf aber seine Heimatstadt Maitanba in der südöstlichen Provinz Hunan nicht verlassen. Noch während seiner Festnahme informierte er über seinen Blackberry seiner Leser. 

"Sie belügen die Menschen"

Blogger übernehmen in China die Rolle einer kritischen Öffentlichkeit. Sie stellen Berichte und Fotos über Ereignisse ins Netz, die die Regierung lieber verschweigen würde. "Die Staats-Presse ist immer von der Kommunistischen Partei zensuriert. Die Berichte sind keine Nachrichten sondern Werbung für die Partei. Sie belügen die Menschen", sagt Zola.  Als Journalist bei einem staatlichen Medium ist es nicht möglich kritisch zu berichten oder zu kommentieren. Deswegen bloggt Zola lieber: "Bloggen ist frei und unabhängig." Die Nachteile: "Leider kein Geld."

Machtmissbrauch

Im Juni dieses Jahres berichtete er aus der Provinz Guizhou im Südwesten Chinas über einen Aufstand nach Mord und Vergewaltigung einer 16-Jährigen. Die lokalen Behörden versuchten das Verbrechen unter den Teppich zu kehren. Das Mädchen war kurz vor seinem Tod mit zwei jungen Männern gesehen worden, die mit Vertretern des örtlichen Sicherheitsbüros verwandt sein sollen. Die lokalen Medien berichteten nicht darüber. Die Bevölkerung war empört. Zola führ in die Region, sprach mit den Eltern des Opfers und veröffentlichte Berichte und Fotos. Die Berichterstattung von Zola und anderen Bloggern war maßgeblich für die Verurteilung von Lokalpolitikern und Sicherheitsbeamten wegen Machtmissbrauchs.

Zhou Shuguangs Website ist bei einem US-amerikanischen Betreiber registriert. Die chinesische Regierung versuche zwar seine IP-Adresse zu blockieren, deswegen wechselt er sein IP-Adresse beinahe täglich. Um die Zensur zu umgehen verschickt er seinen Blog auch über RSS-Feed. "Das kann nicht zensuriert werden, jeder kann sich dafür anmelden und ich habe eine Menge Freunde und Abonnenten." (mka, derStandard.at, 19.8.2008)

  • "Staatliche Medien sind immer zensuriert. Sie belügen die Menschen." Zhou Shuguang versucht mit seinem Blog zu informieren. Vergangene Woche wurde er das erste Mal verhaftet.
    Foto: Zhou Shuguang

    "Staatliche Medien sind immer zensuriert. Sie belügen die Menschen." Zhou Shuguang versucht mit seinem Blog zu informieren. Vergangene Woche wurde er das erste Mal verhaftet.

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