Zementfabrik des mexikanischen Cemex-Konzerns enteignet

19. August 2008, 08:15
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Die Konkurrenten Lafarge und Holcim einigten sich mit der Verkauf von Anteilen an die Regierung

Caracas -Pertilgete - Bevölkerung und Politiker haben in Venezuela am Dienstag die Verstaatlichung von drei Zementherstellern gefeiert. Unter dem Jubel von Mitarbeitern übernahm der Staat Punkt Mitternacht auch die Kontrolle über die enteigneten Tochtergesellschaften des mexikanischen Zementherstellers Cemex in der Stadt Pertilgete. Menschen sangen die Nationalhymne und schwenkten die Fahnen von Venezuela und der kommunistischen Partei des Landes.

Da Cemex die Verhandlungen um die Übernahme von mindestens 60 Prozent seiner Anteile durch den Staat nicht fristgemäß abgeschlossen habe, werde der Konzern enteignet, sagte Präsident Hugo Chávez in Caracas. Mit dem französischen Unternehmen Lafarge und der Schweizer Firma Holcim wurde demnach eine Übernahme ihrer Zementfabriken vereinbart. Energieminister Rafael Ramírez übernahm um Mitternacht symbolisch die Kontrolle einer Cemex-Anlage.

Da die Verhandlungen mit Cemex nicht innerhalb der im Juni gesetzten Frist von 60 Tagen zu einer Einigung führten, werde das mexikanische Unternehmen in Venezuela enteignet, sagte Chávez bei einer Versammlung seiner Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas. Die Verstaatlichung der Zementfabriken und vorherige Übernahmen von Telekom- und Ölfirmen seien "Schritte auf dem Weg zum Sozialismus". Seinen Anhängern versicherte Chávez: "Solange ich an der Macht bin, wird Venezuela mit Eurer und mit Gottes Hilfe auf dem Weg der Gleichheit, sozialen Gerechtigkeit und des Sozialismus voranschreiten."

Cemex wollte 1,2 Milliarden Dollar

Der venezolanische Vize-Präsident Rafael Carrizales warf Cemex vor, für den Anteilsverkauf Forderungen weit über dem wahren Wert der Fabriken gestellt zu haben. Cemex habe mehr als 1,2 Milliarden Dollar (816 Millionen Euro) verlangt, sagte Carrizales. Wenn sich die venezolanische Regierung und Cemex auch nach der Enteignung nicht bald auf einen Preis einigen können, muss ein Gericht in dem Streit entscheiden. Cemex stellte bisher die Hälfte des Zements in Venezuela her, das französische Unternehmen Lafarge und die Schweizer Firma Holcim die übrigen 50 Prozent.

Mit Lafarge und Holcim seien "freundliche Verhandlungen" zum Abschluss gebracht worden, teilte Carrizales mit. Demnach übernimmt der venezolanische Staat von der französischen Firma 89 Prozent der Anteile an ihren Zementfabriken im Land zum Preis von 267 Millionen Dollar. Die Anlangen des Schweizer Holcim-Konzerns übernimmt Venezuela demnach zu 85 Prozent zum Preis von 552 Millionen Dollar.

Energieminister Ramírez und mehrere Arbeiter nahmen nach Ablauf der Verhandlungsfrist um Mitternacht in einem symbolischen Akt eine Cemex-Fabrik in Besitz. Weitere Arbeiter übernähmen gleichzeitig auch in anderen Anlagen des mexikanischen Konzerns die Kontrolle, sagte der Minister während der vom Staatsfernsehen live übertragenen Zeremonie im nordöstlichen Bundesstaat Anzoátegui. Die Arbeiter jubelten Ramírez zu und riefen: "Der Zement gehört jetzt Venezuela."

Chávez hatte die Verstaatlichung der Zementindustrie bereits im April angeordnet. Ein großes staatliches Zementunternehmen soll künftig den Wohnungsbau in Venezuela ankurbeln. Seit 2004 wurden jährlich zwischen 40.000 und 50.000 Wohnungen gebaut, benötigt werden aber 100.000 neue pro Jahr.

Der seit zehn Jahren regierende Chávez verfolgt ein populistisch gefärbtes sozialistisches Programm. 2006 verstaatlichte er Ölförderanlagen im Orinoco-Becken, seit vergangenem Jahr gingen zudem Energieanlagen sowie Öl-, Stahl- und Telekommunikationsfirmen in Staatsbesitz über. Ende Juli kündigte Chávez eine "freundliche Übernahme" der Banco de Venezuela, die der spanischen Santander-Gruppe gehört.

Von den aktuellen Verstaatlichungen dürfte sich Chávez auch Rückenwind für die Regionalwahlen im November erhoffen. Zuletzt hatte die Zustimmung für seine Regierung wegen hoher Kriminalitätsraten und Korruptionsfällen nachgelassen.  (APA/Reuters)

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    Hugo Chavez will Häuser für die Armen bauen lassen und braucht dafür Zement. 

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