Herr über die Wiener Infrastruktur

19. August 2008, 12:53
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Stadtbaudirektor Gerhard Weber ist ein Spitzenbeamter mit "eigenem Kopf" - Teil 3 der Serie

Wien - Wenn Beamte machen, was Politiker ihnen anschaffen, dann ist daran nichts Ungewöhnliches, schließlich ist das ihr Job. "Ein Problem wird es, wenn Beamte ihre eigene Politik machen", sagt Bernhard Görg, schwarzer Vizebürgermeister a. D. Gerade im Planungsbereich gebe es wahre "Überzeugungstäter". Dabei meint er nicht direkt Stadtbaudirektor Gerhard Weber. Oder vielleicht doch. "Weber ist eine starke Persönlichkeit. Er ist ein eigener Kopf und ist einer, dem egal ist, was der Stadtrat denkt. Er sagt klar, was der Stadtrat denken soll." Was Weber mächtig macht: Er dirigiert ungefähr 10.000 Beamte und managt die Wiener Infrastruktur, also unter anderem Stadtplanung, Verkehr und Wasser.

Was die ÖVP wohl freut, ist, dass Weber ein Befürworter von wirtschafts- und verkehrsfreundlicher Planungspolitik ist. Weber war maßgeblich an der Umsetzung der Nordost-Umfahrung (S1), dem sogenannten Regionenring beteiligt. "Er hat forciert, dass es mit der Asfinag und dem Land Niederösterreich einen Konsens über die Trassenfindung gibt", sagt Bernhard Engleder, Leiter der MA 18 (Straßen).

Die Trasse wird auch durch einen Tunnel führen. Und dieser soll ausgerechnet unter dem Nationalpark Donauauen verlaufen. Die Grünen schäumten. Als vor zwei Jahren Probebohrungen durchgeführt werden sollten, besetzten Umweltaktivisten die Lobau. Danach gab es einen runden Tisch - Weber vertrat die Interessen der Stadt Wien. Seiner Ansicht nach ist der Regionenring erforderlich, um den Verkehr in der Stadt zu entlasten. Derzeit erstellt die Asfinag eine Umweltverträglichkeits-Erklärung, die im September aufgelegt werden soll.

"Weber ist skrupellos, er kennt keine Gnade", sagt Grün-Gemeinderat Rüdiger Maresch. Im Fall der Autobahn habe er der Stadt geschadet. Indem diese bis auf Süßenbrunn hauptsächlich in Niederösterreich verlaufen soll, bestehe die Gefahr, dass sich große Firmen in Niederösterreich ansiedeln und nicht in Wien.

Friedrich Zibuschka dagegen, Webers Pendant in Niederösterreich, schätzt ihn und die Zusammenarbeit "ohne ideologische Scheuklappen". Davon zeuge auch das funktionierende Stadt-Umland-Management, bei dem es um die Kommunikation der Gemeinden bei ihren Vorhaben geht.

Weber, der auch für die Bahnhofsoffensive verantwortlich zeichnet, ist 65 Jahre alt und wird bald in Pension gehen. Als seine Nachfolgerin wird Wien-Holding-Geschäftsführerin Brigitte Jilka gehandelt. Folgt sie Weber tatsächlich nach, wäre sie die erste Frau in einer hohen Magistrats-Funktion. Ob sie auch gleich viel wie Weber verdienen würde - rund 177.000 Euro brutto im Jahr -, ist fraglich. Das hängt von ihren Dienstjahren ab. (Marijana Miljkoviae/DER STANDARD, Printausgabe, 19. August 2008)

 

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    Gerhard Weber (65) dirigiert 10.000 Wiener Beamte.

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