Jugendliche und Drogen: Gesunder Verstand

18. August 2008, 18:55
58 Postings

Kiffen, saufen und Party machen ist bei Österreichs Jugendlichen gar nicht so beliebt, wie man vermuten könnte

Kiffen, saufen, Party machen. Zumindest Ersteres ist bei heimischen Jugendlichen gar nicht so beliebt, wie man vermuten könnte. Drei Viertel aller 15- bis 24-Jährigen sind dagegen, dass Cannabis völlig freigegeben wird. Weit mehr als im EU-Durchschnitt. Das restliche Viertel würde eine reglementierte Abgabe bevorzugen. Auch wenn man einräumt, dass im Rahmen von Umfragen, wie eben hier für das Eurobarometer der Europäischen Kommission, nicht immer die ganze Wahrheit gesagt wird, ist die vorsichtige Haltung der jungen Leute doch überraschend. Und beruhigend. Zeugt sie doch von einem gesunden Verstand.

Dass Informationen über illegale Suchtmittel zuallererst im Internet eingeholt werden, ist wenig überraschend. Deswegen haben anerkannte Suchtberatungsstellen längst Internetportale eingerichtet, wo auch Wirkungen und Nebenwirkungen ohne Übertreibungen beschrieben werden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die hohe Akzeptanz von Hilfseinrichtungen selbst. Ein Drittel aller Jugendlichen in Österreich gibt an, sich dort direkt über Konsumarten und Risiken zu informieren. In den allermeisten Fällen ist das anonym möglich. Ein schöner Erfolg auch für die Drogenpolitik der vergangenen Jahre, die mehr auf Hilfe und Prävention als auf Repression gelegt hat.

Andererseits offenbart die Umfrage auch Versäumnisse bei legalen Drogen. Alkoholische Getränke zu bekommen, ist für 95 Prozent der Jugendlichen kein Problem. Nur ein Viertel ist der Meinung, dass mit Alkohol und Tabak ein hohes Risiko für die Gesundheit verbunden ist - ein eindeutiges Aufklärungsmanko. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 19. August 2008)

 

Share if you care.