Rektor der Medizin-Uni Innbruck im Interview: "Wichtig ist mir nur Qualität"

18. August 2008, 19:00
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Clemens Sorg steht kurz vor seiner Ablöse - Verena Langegger erklärt er, wie er den guten Ruf der Uni erhalten will

STANDARD: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrer möglichen Absetzung und dem Skandal um eine Studie, die an Ihrer Universität zur Stammzelltherapie bei Harnschwäche durchgeführt wurde?

Sorg: Es besteht interessanterweise ein zeitliches Zusammentreffen. Ich habe den Fall der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gemeldet und möchte, dass alle involvierten Personen zur Verantwortung gezogen werden.

STANDARD: Die Kritik der Prüfbehörde AGES richtet sich gegen den Hauptautor der Studie, Oberarzt Hannes Strasser. Warum nicht gegen seinen Chef, Georg Bartsch, dem Vorstand der Urologie, der als Ko-Autor aufscheint?

Sorg: Strasser ist seit Montag suspendiert, eine Disziplinarkommission wird eingesetzt. Bartsch kann sich bis heute äußern, dann werde ich disziplinarrechtliche Konsequenzen prüfen. Ein Ko-Autor kann nicht von nichts gewusst haben. Ich muss weiteren Schaden von der Medizin-Uni Innsbruck abwenden.

STANDARD: Unabhängig davon stehen Sie aber bereits seit Monaten unter Beschuss des Unirates.

Sorg: Bisher habe ich die Verfehlungen, die mir der Uni-Rat vorwirft, noch nie schriftlich erhalten. Der Uni-Senat und das Wissenschaftsministerium haben ein Schreiben erhalten. Mein Anwalt hat jetzt eine Stellungnahme zu den Punkten, die auf der Homepage des Unirates waren, für die Sitzung am Donnerstag vorbereitet.

STANDARD: Der Chirurg Raimund Margreiter, der Tilak-Vorstand und der Uni-Senat stehen hingegen hinter Ihnen. Die Zusammenarbeit dürfte also zumindest irgendwann funktioniert haben?

Sorg: Die Zusammenarbeit mit der Tilak funktioniert bestens und auch mit dem alten Uni-Rat, der bis März 2008 im Amt war, hat alles geklappt. Jetzt soll meine direkte Art das Problem sein oder Schlampereien in der Buchhaltung. Ich habe dem Rat schon vor Wochen gesagt, dass ich das in Ordnung bringe. Die Antwort war: Was immer Sie tun, unsere Haltung wird sich nicht ändern.

STANDARD: Es gibt auch den Vorwurf, Sie hätten deutsche Kollegen gegenüber Inländern bevorzugt.

Sorg: Ich hätte gerne Österreicher genommen. Es haben sich nur keine mit entsprechender Qualifikation beworben. Für mich ist das ein Indiz, dass es Probleme mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs gibt.

STANDARD: Was machen Sie, wenn Sie abgesetzt werden?

Sorg: Ich werde den Rausschmiss mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen. Wie das Verfahren gelaufen ist, war sicher nicht rechtsstaatlich korrekt. Seltsam ist auch, dass sich der Wissenschaftsminister, der auch die Rechtsaufsicht über den Uni-Rat hat, nicht rührt. Auch wegen der Mängel in der Zelltherapie-Studie. Wissenschaftlicher Betrug ist in Österreich kein Strafdelikt.

STANDARD: Fühlen Sie sich "verfolgt", weil Sie Deutscher sind?

Sorg: Gut möglich, dass das mitspielt. Wichtig ist mir nur Qualität. In Forschung, Lehre und Patientenversorgung. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2008)

Zur Person
Clemens Sorg wurde 1942 bei Ravensburg geboren. 1973 habilitierte er sich über "Immunologie" an der Klinik Münster. Sorg ist Gutachter im deutschen Forschungsausschuss und seit 2003 Rektor der Med-Uni Innsbruck.

  • Am Donnerstag soll wieder ein Rektor an der Innsbrucker Med-Uni abgesetzt werden. Nach Hans Grunicke soll es jetzt Clemens Sorg treffen
    foto: meduni innsbruck

    Am Donnerstag soll wieder ein Rektor an der Innsbrucker Med-Uni abgesetzt werden. Nach Hans Grunicke soll es jetzt Clemens Sorg treffen

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