Skandal um Stammzelltherapie

18. August 2008, 18:48
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Experimentelle Studie zur Behandlung von Inkontinenz wird in einem Prüfbericht heftig kritisiert

Innsbruck - Die Studien galten als wissenschaftlicher Durchbruch: In den renommierten Fachblättern Lancet und World Journal of Urology im Vorjahr veröffentlicht, konnten der Urologe Hannes Strasser mit Kollegen erstmals Erfolge einer Stammzelltherapie bei der Behandlung von Inkontinenz vermelden. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen für Strasser folgten.

Ein Jahr später ist alles anders: Ein pensionierter deutscher Anwalt war erfolglos behandelt worden, ohne darüber informiert worden zu sein, Teilnehmer einer experimentellen Studie gewesen zu sein. Nun fand die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in ihrem 120-seitigen Prüfbericht über die Studien Strassers noch zahlreiche weitere Versäumnisse und Mängel, die sich zu einem internationalen Skandal auswachsen dürften.

Phase-III-Studie ohne Genehmigung

Insbesondere wurde kritisiert, dass die sogenannte Phase-III-Studie ohne Arzneimittelbeirat-Gutachten und daher ohne behördliche Begutachtung und Genehmigung durchgeführt wurde. Darüber hinaus scheinen die vorgelegten Studiendokumente zahlreiche Authentizitätsprobleme aufzuweisen. Besonders brisant: Die verwendeten Zellen der umstrittenen Studie sind an ausländische Uni-Kliniken exportiert worden.

Die Medizinische Universität Innsbruck hat Hannes Strasser daher aufgefordert, die Publikationen in Lancet und World Journal of Urology unverzüglich zurückzuziehen. Zudem wurde er am Dienstag suspendiert. Georg Bartsch, sein Chef, kann bis Mittwoch Mittag eine Stellungnahme abgeben. (ver, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2008)

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    Zunächst galten die Studien als wissenschaftlicher Durchbruch, nun hagelt es Kritik an der Stammzelltherapie zur Behandlung von Inkontinenz.

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