Yams, Gene, Wasser, Ehrgeiz, Geheimnis

18. August 2008, 18:44
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    foto: reuters/kyung-hoon

    100-m-Olympiasieger und -Weltrekordler Usain Bolt lief im Schongang, also in 20,29 Sekunden ins 200-m-Halbfinale.

Sportliche Höchstleistungen schreien quasi nach der Erhellung der Hintergründe. Also drängt sich der Versuch auf, die jamaikanische Dominanz in den Sprint-Bewerben zu erklären

Peking - Die einen schwören, es liege an den Süßkartoffeln. Andere wollen wissenschaftliche Erkenntnisse haben, wonach es die Gene sind. Jamaikas Sportministerin Olivia Grange: "Es ist ein Teil der natürlichen Fähigkeiten der Jamaikaner, obwohl, ich weiß nicht so genau, vielleicht ist es das Wasser.

Usain Bolt rannte mit Weltrekord (9,69) zum Olympiasieg über 100 Meter. Shelly-Ann Fraser gewann Gold bei den Frauen (10,78), ihre beiden Mannschaftskolleginnen Sherone Simpson und Kerron Stewart liefen zeitgleich zu Silber. Alle kommen sie von der Karibikinsel, die schon immer gute Läufer hervorgebracht hat: Merlene Ottey, Don Quarrie. Auch Ben Johnson und die Olympiasieger Linford Christie und Donovan Bailey haben jamaikanische Wurzeln.

Von seinen bislang 46 Olympia-Medaillen gewann Jamaika 45 in der Leichtathletik. Vermutlich werden in den Finalläufen über 200 Meter (Mittwoch/Donnerstag) und in den Staffeln (Freitag/Samstag) weitere folgen.

"Wir haben eine lange Tradition" , betont Leichtathletik-Chef Howard Aris. "Wir haben die Talente, wir haben die ausgebildeten Trainer. Und von den ersten Schritten an lernen sie die richtigen Sachen." Der Vater von Usain Bolt ist der festen Überzeugung, dass Yams, eine Süßkartoffel, seinen Sohn so schnell gemacht hat. Und auf Jamaika gibt es nicht wenige, die seine Meinung teilen.

Ebenso beliebt ist die Erklärung, dass Jamaikaner von Geburt an schnell rennen können. Und das stimmt sogar, behauptet Professor Errol Morrison von der University of Technologies in Kingston. Jamaikaner, sagt er, hätten eine genetische Veranlagung, flink zu sein. Aus einer gemeinsamen Studie mit der Universität von Glasgow gehe hervor, dass Jamaikaner eine unverhältnismäßig große Menge einer Komponente namens Actimen A in den Muskelfasern tragen. Dies betreffe nicht nur Jamaikaner, sondern allgemein Menschen von den Westindischen Inseln.

Prägung und Bildung

"Es scheint eine genetische oder natürlich Vorprägung zu geben" , erklärt Morrison auf die Frage nach dem Warum. Fakt ist: Von Kindesbeinen an laufen die Jamaikaner. Schon Vierjährige nehmen an den Meisterschaften im Nationalstadion von Kingston teil, bisweilen laufen sie barfuß. Sie werden beobachtet, gefördert. Die Leichtathletik, in Verbindung mit einer Schulbildung, ist meist auch die einzige Chance, der Armut zu entkommen. "In der Schule sehen viele die Leichathletik als Chance, an ein Stipendium zu kommen" , sagt der bekannte Highschool-Trainer Michael Oliveira. Maxine Fraser war unglaublich stolz, als sie am Sonntag sah, wie ihre Tochter Shelly-Ann zu Gold rannte. "Aus dem Ghetto kommt doch etwas Gutes, es kann dich nicht aufhalten, solange du Ehrgeiz hast" , meinte sie anschließend.

Yams, Gene, Wasser, Ehrgeiz - all das, sagen Skeptiker, kann nicht erklären, warum Jamaikaner so schnell sind. Der Chef der Anti-Doping-Agentur für die Karibik, Adrian Lorde, hat jedenfalls kürzlich Klage darüber geführt, auf der Insel der Lebensfreude und des Reggae würden sie es mit dem Testen nicht so genau nehmen. (sid, red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 19.8. 2008)

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