Anleger flirten wieder mit dem Dollar

18. August 2008, 17:40
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Die US-Währung gewinnt nach Jahren der Krise neue Anhänger. Banken raten ihren Klienten, auf den Dollar zu setzen, warnen aber vor zu viel Euphorie

Die US-Währung gewinnt nach Jahren der Krise neue Anhänger. Banken raten ihren Klienten, auf den Dollar zu setzen, warnen aber vor zu viel Euphorie. Für ein nachhaltiges Comeback des Greenbacks sei es zu früh.

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New York - Große Wall-Street-Institutionen setzen langsam wieder auf den Dollar. Mit dem starken Aufwärtstrend der vergangenen Wochen hat die US-Währung nach Meinung von immer mehr Experten nach Jahren des Schwächelns endlich die Talsohle erreicht. "Die fundamentalen Aussichten sind viel positiver geworden", schrieb vor einigen Tagen ein Team von Goldman Sachs.


Auch Bank of America rät ihren Klienten seit kurzem, Geld auf einen weiteren mittelfristigen Dollar-Anstieg zu setzen. "Wir waren in einem siebenjährigen Bärenmarkt für den Dollar, und der neigt sich ziemlich klar seinem Ende zu" , sagte Währungsstratege Robert Sinche am Wochenende im Bloomberg-TV-Interview.


Dennoch warnen viele vor übertriebener Dollar-Euphorie. Sie erwarten zumindest bis Jahresende noch viele Auf und Abs, möglicherweise sogar einen kurzzeitigen Rückfall auf Rekordtief-Niveau.
So hat der Dollar etwa auch diese Woche, in der Märkte auf Daten zu US-Inflation und Hypothekenmarkt warten, schwächer begonnen. Viele erwarten, dass diese Daten Hoffnungen auf US-Leitzinserhöhungen, die den Dollar stützen könnten, dämpfen und auf kommendes Jahr vertrösten werden. Ist der Greenback, so der Spitzname der US-Währung, zu schnell wie der Phönix aus der Asche aufgestiegen?

"Ja, das ist wahrscheinlich der Fall", gibt Sinche zu, auch wenn das seinen Dollar-Optimismus nicht schmälere. Auch Goldman erwartet, dass das strauchelnde Wirtschaftswachstum außerhalb der USA und ein weiter fallender Ölpreis Aufwind über das kommende Jahr hin bedeuten. Auch wenn die Investmentbank den Dollar über die nächsten sechs Monate wieder sein Juli-Rekordtief von über 1,60 Dollar pro Euro erreichen sieht. Dafür wird er laut Goldman in den Monaten danach auf 1,40 Dollar pro Euro steigen, verglichen mit einem vergangene Woche erreichten Sechsmonatshoch von weniger als 1,47 Dollar pro Euro.

Natürlich gibt es auch die großen Dollar-Bullen wie Forex.com, eine Abteilung des Währungshändlers Gain Capital Group. "Während viele Analysten wieder mit der ,Zu früh zu hoch‘-Routine beginnen, erwarten wir weitere Dollar-Anstiege" , sagen die Forex.com-Strategen Brian Dolan und Jacob Oubina.

Einstieg in die Rally


Sie meinen, gerade der schnelle Anstieg seit Mitte Juli bedeute, dass viele Anleger, die sie bisher verpassten, jetzt auf Möglichkeiten warten, bei geringen Dollar-Rückgängen in die Rally einzusteigen. "Wir werden Dollar-Euro-Relationen von 1,43 oder 1,45 sehen, bevor wir je über 1,50 hinausgehen" , meinen die Forex.com-Bullen.


Andere halten es aber für verfrüht, von einem Comeback des Greenbacks zu sprechen, das über ein Strohfeuer hinausgeht. "Der Dollar steigt nicht aufgrund der Liebe zum Dollar, sondern aufgrund der Angst vor anderen Währungen" , meint Miller-Tabak-Stratege Peter Boockvar. Merrill-Lynch-Ökonom David Rosenberg formuliert es drastischer: "Unter Blinden findet der Einäugige ein Korn - und das ist jetzt gerade der Dollar." (Georg Szalai, New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2008)

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