Wissen: Austriakum Sozialpartnerschaft

18. August 2008, 17:36
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Ihre Hochblüte erlebte die Sozialpartnerschaft in den 60er- und 70er-Jahren

Die Sozialpartnerschaft ist ein neokorporatistisches System, das sich nach 1945 herausgebildet hatte, noch unter dem Eindruck des Bürgerkrieges 1934. Die Hochzeit erlebte sie in den 60er- und 70er-Jahren, als Rudolf Sallinger als Wirtschaftskammerchef und Anton Benya als oberster Gewerkschafter Wachstumsgewinne zu verteilen hatten. Unter der schwarz-blauen bzw. schwarz-orangen Regierung (2000-2006) schwand ihre Bedeutung stark. Mit der Wiederauflage der großen Koalition 2006 feierte sie ein Comeback.

Zentrales Element der Sozialpartnerschaft sind die Kollektivvertragsverhandlungen (Inhalt: Lohn- und Gehaltserhöhungen sowie Rahmenbedingungen für Arbeitsverträge). Die Sozialpartnerschaft ist zusätzlich politisch in drei Ebenen aktiv: Sie berät, sie gestaltet mit, und sie sorgt in Gremien auch für die Umsetzung. Beispiel für die erste Funktion: Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), dessen Kuratorium ein Abbild der sozialpartnerschaftlichen Wirklichkeit ist, schrieb für die Regierung ein "Weißbuch" mit wirtschaftspolitischen Vorschlägen. Funktion zwei: Die Sozialpartner verhandelten für die jetzige Regierung umfassende Gesetzespakete aus (etwa zur Arbeitszeitflexibilisierung). Funktion drei: Die Sozialpartner steuern über den Verwaltungsrat das Budget des Arbeitsmarktservice (AMS) mit. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2008)

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