Müntefering soll den roten "Hühnerhaufen" beruhigen

18. August 2008, 17:39
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Der Ruf nach einer Rückkehr von Müntefering wird immer lauter - Viele in der Bundes-SPD wünschen sich sein Comeback als Zeichen gegen den Linkskurs der Hessin Ypsilanti

Noch ist Franz Müntefering nur für seine engsten Mitstreiter zu sprechen. Der ehemalige Vizekanzler und SPD-Chef trauert um seine Ehefrau Ankepetra, die Ende Juli ihrem Krebsleiden erlag. Um sie pflegen und begleiten zu können, hatte Müntefering im November alle seine Ämter (bis auf sein Bundestagsmandat) niedergelegt.
Nun aber berichten deutsche Medien, dass sich Müntefering bald wieder stärker in die Politik einbringen wird. Im September wolle er seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter wieder voll ausüben. Zurückerwartet in den langen Fluren des Bundestags wird er jedenfalls wie kaum einer, der sich in Berlin schon einmal verabschiedet hat. „Gerade in diesen für die SPD schwierigen Zeiten können wir einen erfahrenen Fahrensmann wie ihn bestens gebrauchen", freut sich Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Auch der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, ist voll des Lobes: „Er ist für die Partei eine Integrationsfigur und für viele Wähler einfach unverzichtbar."

Viele in der SPD hoffen, dass der Anführer des Reformflügels natürlich nicht nur als „einfacher Abgeordneter" wieder in Berlin auftaucht, sondern dass er auch wieder auf die Partei einwirkt - möglicherweise eines Tages sogar noch einmal als Parteichef. Auch in der CDU wäre man darüber erfreut: „Wenn Franz Müntefering jetzt wieder stärker Einfluss auf die Politik nimmt, dann kann das der großen Koalition nur nützen", sagt CDU-Vize Christian Wulff. Dementsprechend schmallippig wird SPD-Chef Kurt Beck beim Thema „Münte". Ja, auch er habe Kontakt zu ihm, bestätigte Beck am Montag. Er wolle aber in der Trauerphase keine Spekulationen über eine mögliche künftige Tätigkeit Münteferings anstellen.

Linke stellen Bedingungen

Für die Reformer in der SPD wäre Münteferings Comeback auch ein ganz klares Signal gegen den Linksruck, der sich in Hessen immer deutlicher abzeichnet. Fester denn je ist SPD-Landeschefin dort entschlossen, sich mithilfe der Grünen und der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Das Ganze soll schon im November passieren. Derzeit bearbeitet Ypsilanti Zweifler in der Fraktion und der Partei noch in Einzelgesprächen. Die hessische Linkspartei jedenfalls hat schon grünes Licht für das rot-rot-grüne Projekt gegeben, diktiert Ypsilanti aber drei Bedingungen: keine weitere Beobachtung der Linken durch den Landesverfassungsschutz, kein Ausbau des Frankfurter Flughafens, Mitsprache bei Ypsilantis Ministerriege.
Derlei Begehr erzürnt Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der strikt gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken ist: „Wir können uns doch nicht den Launen von Oskar Lafontaine" aussetzen sagt er und mahnt stärkere Disziplin an: „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, wir seien ein wilder Hühnerhaufen." Auch Beck zeigt seinen Unmut über den Kurs der Hessen. Deren Schwenk hin zur Linkspartei sei mit „erheblichen Risiken verbunden", daher gebe es „ernsthafte Bedenken", lautet eine Warnung, die er gemeinsam mit seinen drei Stellvertretern formuliert hat.
Ob er sich wünscht, dass Ypsilanti bei der Wahl unterliegt, weil bei der entscheidenden Abstimmung im Landtag doch nicht alle in der hessischen SPD-Fraktion ihren Kurs mittragen wollen, wird Beck dieser Tage häufig gefragt. Seine Antwort: „Es wird keinen Sozialdemokraten geben, der einer anderen Sozialdemokratin ein Scheitern wünscht." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2008)

  • SPD-Chef Kurt Beck könnte seinen Vorgänger Franz Müntefering bald wieder viel stärker im Nacken haben.
    Foto: REUTERS/Kai Pfaffenbach(GERMANY)

    SPD-Chef Kurt Beck könnte seinen Vorgänger Franz Müntefering bald wieder viel stärker im Nacken haben.

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