Miese Noten für Parteien und Politiker

18. August 2008, 17:24
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Im anlaufenden Wahlkampf ist das Vertrauen in die Politiker und Parteien beinahe durchgehend gesunken

Positive Ausnahme: die Grünen - für sie gibt es in den Umfragen konstant relativ gute Noten.

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Linz - Es gibt selbstverständlich Leute, die die SPÖ für "sehr gut" halten - aber sehr viele sind es halt nicht: Gerade einmal vier Prozent der Befragten gaben der Kanzlerpartei bei der market-Umfrage Ende Juli die Bestnote. Selbst von den deklarierten SPÖ-Wählern hat nur jeder Fünfte die Schulnote eins für seine Partei vergeben.

Trost für Alfred Gusenbauer, Werner Faymann und Genossen: Auch den anderen Parteien geht es kaum besser: Drei Prozent gaben dem Noch-Koalitionspartner ÖVP einen Einser (von den deklarierten Schwarzen tat das überhaupt nur jeder Zehnte), ebenfalls je drei Prozent beurteilten die Arbeit von Grünen und FPÖ mit einem "Sehr gut" , bei der Liste Fritz Dinkhauser sind es zwei Prozent, beim BZÖein Prozent, und dem LiberalenForum gibt nicht einmal jeder Hundertste die Bestnote.

Das LIF, zuletzt mit einem von der SPÖgeborgten Mandat im Nationalrat vertreten, kommt nach dem Schulnotensystem auf einen Notenschnitt von 4,06 - nur das BZÖ wird mit 4,21 noch schlechter bewertet. Die FPÖ erreicht 3,88, die SPÖ3,71, die Grünen bekommen 3,67, und die ÖVP hat eine Durchschnittsnote von 3,58: "Wären die Parteien Schüler, sie wären alle als gefährdet einzustufen" , sagt market-Meinungsforscher David Pfarrhofer.

Allerdings: Parteien sind keine Schüler, für ihre Bewertung gelten andere Maßstäbe. Etwa der, ob sie eine klare Vorstellung haben, wie es in Österreich langfristig weitergehen soll. Diese programmatische Lösungskompetenz wurde von market Anfang April und Ende Juli erhoben - mit dem Ergebnis, dass den Parteien im anlaufenden Wahlkampf noch weniger zugetraut wird als vorher.

Grüne Ausnahme

"Da gibt es generell einen leichten Vertrauensverlust für die Institutionen - aber bei den Parteien, mit der auffallenden Ausnahme der Grünen, ist er sichtbar stärker als etwa bei der Arbeiterkammer" , sagt Pfarrhofer.
Und den Politikern geht es um nichts besser: Wie die Grafik links zeigt, werden sie fast alle schlechter bewertet als im Frühjahr. Wiederum liefern die Grünen eine positive Ausnahme - ihr Parteichef Alexander Van der Bellen wird gleich gut bewertet wie vor Beginn des Wahlkampfs. Wobei auch das relativ ist: Immerhin sagt eine Mehrheit von 60 Prozent mehr oder weniger deutlich, dass sie Van der Bellen kein klares Zukunftskonzept zutraut.

Es gibt überhaupt nur zwei Politiker, denen von einer (relativen) Mehrheit eine klare Vorstellung von der Zukunft zugetraut wird: Heinz Fischer und Josef Pröll.

Bundespräsident Fischer war im Frühjahr noch von einer absoluten Mehrheit ein klares Zukunftskonzept zugetraut worden. "Ob das damit zusammenhängt, dass seine Zukunftswünsche nach einem Weiterbestand der großen Koalition nicht erfüllt wurden, darüber kann man nur spekulieren" , warnt Pfarrhofer vor einer Überinterpretation seiner Daten. Fest stehe nur, dass die negative Bewertung in einem generellen Trend liegt.

Werner Faymann, der neue SPÖ-Chef, ist den 450 Befragten offenbar kaum durch Zukunftskonzepte aufgefallen - seine positiven Bewertungen sind kaum gestiegen, die negativen haben stark zugenommen. Bei Kanzler Alfred Gusenbauer, der seinen Abschied aus der Politik bereits angekündigt hat, hat sich die Bewertung stark in den negativen Bereich verschoben. Für Schadenfreude beim Koalitionspartner gibt es aber wenig Anlass: Auch Vizekanzler Molterer wird schlechter beurteilt. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2008)

 

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