Barenboim sieht "Unwissenheit und Mangel an Neugier"

18. August 2008, 17:15
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Trotz Absage aus Sicherheitsgründenin Amman wird die Europatournee des "West Eastern Divan Orchestras" stattfinden

Berlin - Ein für den 12. August geplantes Konzert des West Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim in der jordanischen Hauptstadt Amman war aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Eine Europatournee aber findet statt (u.a. am 23. August in der Berliner Waldbühne), und - wie es so seine Art ist - äußert sich Barenboim auch zu politischen Themen. Etwa wirft er Israel "Unwissenheit und Mangel an Neugierde" für die Lage der Palästinenser vor. "Ein großer Teil der Israelis hat keine Ahnung, was die palästinensische Gesellschaft ist" , so Barenboim.

Das von ihm und dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründete Divan Orchestra wolle einen Beitrag im "Kampf gegen die Ignoranz" leisten. "Die Palästinenser sind weniger ignorant für vieles, was in Israel stattfindet, weil sie von den Israelis schon mehr als 40 Jahre besetzt werden. Aber auch sie kennen die Geschichte nicht und verstehen nicht, wieso das jüdische Volk nach dem Holocaust einen eigenen Staat gründen musste." Er rechne nicht mit einer baldigen Lösung des Konflikts: "Was jetzt passiert, sind keine ernsthaften Gespräche: Es verhandeln ein schwacher israelischer Ministerpräsident und ein palästinensischer Präsident, der nicht für den Großteil seiner Landsleute spricht."

"Es handelt sich hier nicht um eine Auseinandersetzung um Öl oder Wasser. Wir stehen vor einem menschlichen Konflikt zweier Völker, die zutiefst davon überzeugt sind, auf dem selben Stück Land leben zu müssen." Der Streit könne nur gelöst werden, wenn jede Seite Verständnis für die Geschichte der anderen aufbringt. "Dafür ist ein mentaler Raum notwendig, wie wir ihn mit dem West Eastern Divan geschaffen haben." (dpa, DER STANDARD/Printausgabe, 19.08.2008)

 

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