Russlands Überfliegerin meistert im Stabhochsprung 5,05 Meter - Weltrekord im letzten Versuch - 18-jährige Kenianerin Jelimo in fabelhafter Zeit zum 800-m-Titel
Peking - Jelena Isinbajewa ließ sich nicht lumpen. 5,05 Meter übersprang die Russin im Stabhochsprung - Weltrekord Nummer 24 und überlegenes Olympia-Gold. Die Russin verwandelte die Leichtathletikbewerbe in der Pekinger Nacht zu ihrer großen Show und verteidigte den Titel mit der ihr eigenen Grandezza. Mit himmelweitem Abstand belegten die US-Amerikanerin Jennifer Stuczynski (4,80) und die Russin Swetlana Feofanowa (4,75) die Plätze.
Besonders beflügelt hatte Isinbajewa eine gehässige Ansage Stuczynskis: "Ich hoffe, ich kann in Peking in einen russischen Hintern treten." Die Wolgograderin zeigte der Großmäuligen die kalte Schulter und gab die sportliche Antwort. Erst bei 4,70 Metern stieg sie in den Wettkampf ein. Mit ihrem zweiten Sprung über 4,85 Meter war Isinbajewa, die himmelblaue Schuhe mit goldenen Streifen trug, schon Olympiasiegerin. Die Aussicht auf Solo im "Vogelnest", wo zu diesem Zeitpunkt kein anderer Bewerb mehr im Gange war, war aber Ansporn genug, um die Weltrekordhöhe auflegen zu lassen. Isinbajewa, die frühere Kunstturnerin, hüllte sich zunächst in eine Daunendecke und katapultierte sich dann hellwach in die Höhe. "Ich habe mich wie eine Sängerin gefühlt, die allein vor ihrem Publikum stand", sagte sie.
Nach den Spielen will die zweifache Weltmeisterin ihre Weltrekordjagd fortsetzen und das zweite Olympia-Gold versilbern. "Mein Ziel sind 35 Weltrekorde, wie sie Sergej Bubka geschafft hat", sagte die im Steuerparadies Monaco lebende Athletin. Und dann folgte eine ordenliche Ansage: "Ich denke, dass ich bald Höhen von 5,15 bis 5,20 Meter springen kann."
2006 hatte Isinbajewa den Trainer gewechselt und begann die Zusammenarbeit mit Vitali Petrow, dem Ex-Trainer von Bubka. Und zwar wieder bei null. "Sie konnte schon gut springen. Wir haben uns erst auf den Anlauf konzentriert, im darauffolgenden Jahr auf den Absprung", sagte Petrow. Fast außer Konkurrenz anzutreten, findet sein Schützling überhaupt nicht langweilig: "Ich liebe es an der Spitze zu sein und möchte es so lange wie möglich bleiben. Ich verliere nicht gerne. Ich bin sehr stolz, und verlieren macht mich unglücklich."
Kratochwilowaeske Dimension
Das Hindernisrennen der Herren brachte mit dem Erfolg von Brimin Kipruto (8:10,34 Min.) einen kenianischen Sieger, den siebenten für Kenia in Folge. Der Franzose Mahiedine Mekhissi-Benabbad (8:10,49) vermasselte den Ostafrikanern als Zweiter jedoch einen Doppelsieg. Dritter wurde Richard Mateelong (8:11,01). Titelverteidiger Ezekiel Kemboi (KEN) kam über Rang sieben nicht hinaus. Über 800 m der Frauen bestätigte die erst 18-jährige Kenianerin Pamela Jelimo ihre momentane Vormachtstellung und triumphierte in ausgezeichneten 1:54,87 Minuten (Juniorenweltrekord) klar vor ihrer Landsfrau und Weltmeisterin Janeth Jepkosgei sowie der Marokkanerin Hasna Benhassi. Maria Mutola, die heuer ihre große Karriere beenden wird, wurde Fünfte. Sollte sich Jelimo entsprechend entwickeln, ist ihr sogar die Verbesserung des Weltrekords von Jarmila Kratochwilowa zuzutrauen. Er steht seit dem Jahr 1983 und galt bisher als unerreichbar.
"Ich habe alles gegeben und mir nichts vorzuwerfen", sagte Mutola nach ihrem letzten großen Auftritt und kommentierte den Sieg Jelimos kopfschüttelnd: "Für eine 18-Jährige ist sie sehr, sehr schnell." In die Rekordbücher geht die 35 Jährige aber selber ein. Sechs Teilnahmen an Sommerspielen, mehr schaffte nur eine Leichtathletin: die jamaikanische Sprint-Diva Merlene Ottey. Mutola gewann - als erste Sportlerin ihres Landes - Gold in Sydney 2000 und Bronze in Atlanta 1996. 2004 in Athen rannte sie auf Platz vier, 1992 in Barcelona wie nun in Peking wurde sie Fünfte.
Einen dreifachen Erfolg bejubelten die US-Läufer über 400 m Hürden.
Angelo Taylor wiederholte seinen Erfolg von 2000 und gewann vor Kerron
Clement und Bershawn Jackson. Sprintstar Usain Bolt überstand den Vor-
und Viertelfinal-Lauf über 200 m mühelos. Der Weltrekordler über 100 m
kam ebenso problemlos weiter wie Titelverteidiger Shawn Crawford und
dessen US-Landsleute Walter Dix und Wallace Spearmon.
In Abwesenheit von Weltmeisterin Franka Dietzsch gewann Stephanie Brown Trafton Gold im Diskuswurf. Die US-Amerikanerin siegte mit einer Weite von 64,74 Metern vor der kubanischen WM-Dritten Yarelis Barrios (63,64). Bronze ging an die Ukrainerin Olena Antonowa (62,59). Irving Saladino aus Panama feierte im Weitsprung einen Favoritensieg, er gewann mit 8,34 Meter und holte das erste Leichtathletik-Gold für sein Land. Der Südafrikaner Godfrey Mokoena (8,24) gewann Silber, Bronze ging an den Kubaner Ibrahim Camejo (8,20). (red/APA)