Chef des Rüstungskonzerns Patria tritt zurück

18. August 2008, 16:03
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Wegen Bestechungsvorwürfen zu Geschäften mit Slowenien und Ägypten - Slowenischer Verteidigungsminister Erjavec überrascht

Helsinki/Ljubljana - Der Geschäftsführer des finnischen Rüstungskonzerns Patria, Jorma Wiitakorpi, tritt wegen der laufenden Ermittlungen im Zusammenhang mit den Bestechungsvorwürfen zu Rüstungsgeschäften mit Slowenien und Ägypten zurück. Wiitakorpi gab seine Entscheidung am Montag in Helsinki bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt.

Wiitakorpi legte seine Geschäftsführer-Funktion mit sofortiger Wirkung zurück. Der bisherige Patria-Chef, gegen den laut eigenen Angaben persönlich keine Vorwürfe vorliegen, nannte den internationalen Ruf seines Unternehmens als Grund für seinen Rücktritt.

Er sei bereits zur Zeit des Geschäftsanbahnung mit Slowenien Konzernchef gewesen. Der Geschäftsführer sei immer ein "wichtiger Teil des Images eines Unternehmens. Wiitakorpi will bei Patria weiter Beratungsfunktionen übernehmen. Sein Nachfolger ist der früher beim Scheren- und Küchenwerkzeuge-Hersteller Fiskars tätige Heikki Allonen.

Die Staatsanwaltschaften in Finnland, Slowenien und Österreich ermitteln seit einiger Zeit im Zusammenhang mit Bestechungs- und Industriespionagevorwürfen gegen den teils in finnischem Staatsbesitz und teils im Eigentum des europäische Luft- und Raumfahrt-Konzerns EADS stehenden Rüstungskonzerns.

Vor allem geht es dabei um den 278 Mio. Euro schweren Verkauf von 135 Radpanzern nach Slowenien aus dem Jahr 2006. Im Wettbewerb um den Auftrag stach Patria damals seinen Hauptkonkurrenten, die österreichische Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) aus.

Derzeit sitzen zwei ehemalige finnische Patria-Manager in Haft. Im Mai beschlagnahmte die finnische Polizei bei mehreren Hausdurchsuchungen außerdem umfangreiches Material, das derzeit Gegenstand von Ermittlungen ist. Haftbefehle ergingen vor rund einem Monat gegen zwei weitere Verdächtige. Slowenischen Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um den Austrokanadier Walter Wolf sowie den früheren Vertreter der schweizerischen Niederlassung von Steyr-Daimler-Puch, Hans Wolfgang Riedl.

Die beiden Verdächtigen befinden sich derzeit auf freiem Fuß. Die finnische Staatsanwaltschaft zeigte sich allerdings zu Wochenbeginn optimistisch, die beiden sobald wie möglich vernehmen zu können. "Wir wissen sehr genau, wo sie sich aufhalten", so Ermittlungschef Kaj Björkqvist am Montag gegenüber der Wirtschaftszeitung "Kauppalehti".

Der slowenische Verteidigungsminister Karl Erjavec zeigte sich in Ljubljana (Laibach) über den Rücktritt des Patria-Chefs überrascht. Er verstehe aber, dass in Finnland hohe ethische Standards gelten. "Offensichtlich belasten die Ermittlungen eine qualitätvolle Unternehmensführung von Jorma Wiitakorpi, wenn man berücksichtigt, dass man am Markt ständig neue Geschäfte gewinnen muss", sagte Erjavec laut STA. Wie er betonte, gebe es in den bisherigen Ermittlungen keinen Verdacht gegen den Direktor von Patria.

Er wiederholte, dass Slowenien den Rüstungsdeal mit Patria kündigen wolle, sollte sich der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen bestätigen. Erjavec, der vergangene Woche mit Wiitakorpi in Ljubljana zusammengetroffen war, kündigte auch an, sich bald mit dem neuen Patria-Chef zu treffen. (APA)

 

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