Ab Dienstag Schlussplädoyer im Prozess gegen Ex-Präsident Serbiens

18. August 2008, 15:41
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Milan Milutinovic und fünf weitere Personen wurden wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt

Den Haag/Belgrad - Das Gerichtsverfahren gegen den früheren serbischen Präsidenten Milan Milutinovic und weitere fünf Personen wird am Dienstag mit dem Schlussplädoyer der Anklage in die Endphase treten. Der Prozess vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien (ICTY) in Den Haag hatte im Juli 2006 begonnen.

Neben Milutinovic befinden sich auf der Anklagebank auch noch der ehemalige jugoslawische Vizepremier Nikola Sainovic, der Ex-Generalstabchef Jugoslawiens, Dragoljub Ojdanic, der Ex-Befehlshaber der Dritten Armee, Nebojsa Pavkovic, der frühere Befehlshaber des Pristina-Korps, Vladimir Lazarevic, und ein Polizeifunktionär im Kosovo, Sreten Lukic.

Fünf Anklagepunkte

In fünf Anklagepunkten werden ihnen zahlreiche Kriegsverbrechen im Kosovo vorgeworfen. Unter anderem wird ihnen die Zwangsumsiedlung und Vertreibung von rund 800.000 albanischen Zivilisten, die Ermordung von Hunderten am bewaffneten Kampf nicht beteiligten albanischen und sonstigen Zivilisten, die rücksichtlose Zerstörung von ganzen Siedlungen und religiösen Stätten, aber auch die sexuelle Misshandlung albanischer Frauen im Frühjahr 1999 angelastet.

"Die Beweise werden zeigen, dass die sechs Angeklagten Mittäter des (damaligen jugoslawischen Staatschefs, Anm.) Slobodan Milosevic bei einem verbrecherischen Unternehmen waren", sagte Ankläger Thomas Hannis zu Beginn des Gerichtsverfahrens. Alle Angeklagten hatten bei ihrem ersten Auftritt vor dem Haager Gericht auf nicht schuldig plädiert.

Acht Stunden Zeit

Die Anklage hat acht Stunden für ihr Schlusswort bekommen. Bis zum Wochenende sollen auch die Verteidiger der Angeklagten in jeweils zweieinhalb Stunden ihr Schlusswort präsentieren. Im Laufe der Gerichtsverfahren wurden sowohl von der Anklage wie auch der Verteidigung Dutzende Zeugen angehört.

In Serbien wurde dem Gerichtsverfahren eine auffallend geringe Aufmerksamkeit gewidmet. Andererseits wird der ebenfalls vor dem Haager Gericht laufende Prozess gegen den Chef der oppositionellen Serbischen Radikalen Partei (SRS), Vojislav Seselj, vom staatlichen TV-Sender übertragen. Seselj hat sich wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien sowie der nordserbischen Provinz Vojvodina zu verteidigen. (APA)

 

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