Übernahmeschlacht in entscheidender Phase

18. August 2008, 14:25
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Für eine mögliche Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe hat der deutsche Autozulieferer offenbar bereits einen Vertragsentwurf aufgesetzt

Hamburg/Hannover/Berlin - Für eine mögliche Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe hat der deutsche Autozulieferer Continental einem Zeitungsbericht zufolge bereits einen Vertragsentwurf aufgesetzt. Daraus ergäben sich drei Knackpunkte, bei denen Schaeffler Conti noch entgegenkommen müsste, berichtete die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Montag. Der bisher gebotene Preis wird demnach von Conti weiterhin als zu niedrig bewertet. Schaeffler bietet derzeit 70,12 Euro je Conti-Aktie, soll Medienberichten zufolge aber bereit sein, 75 Euro je Anteil zu zahlen. Analysten sehen die Aktie demnach jedoch bei 80 bis 90 Euro.

Der "FTD" zufolge will Conti aber nicht nur mehr Geld für die eigenen Aktionäre, sondern auch für das Unternehmen selbst: Der Autozulieferer fordert von Schaeffler demnach einen Risikoausgleich für Verluste, die durch die Übernahme entstehen könnten. Dabei geht es dem Hamburger Blatt zufolge etwa um Steuerausfälle, die im Falle eines Schaeffler-Einstiegs drohten, und um Bankkredite, die dann - mit voraussichtlich höheren Zinsen - neu verhandelt werden müssten. Zuletzt fordern dem Bericht zufolge die Arbeitnehmer weiterhin Garantien für Arbeitsplätze. So solle sich Schaeffler nicht nur verpflichten, weder Arbeitsplätze abzubauen noch das Unternehmen zu zerschlagen, sondern auch der Kontrolle dessen durch eine unabhängige Persönlichkeit zustimmen.

Tür weiter offen

In der vergangenen Woche hatte Conti nach langem Abwehrkampf die Tür für einen Einstieg des bayerischen Familienkonzerns Schaeffler ein Stück weiter aufgestoßen. Aufsichtsrat und Vorstand verkündeten, kurzfristig weitere Verhandlungen ohne jegliche Vorbedingungen mit Schaeffler anzustreben.

In der Conti-Führung ist einem Bericht zufolge Streit über die Verhandlungstaktik in der entscheidenden Phase der Übernahmeschlacht mit Schaeffler ausgebrochen. Während der Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg eine schnelle Einigung mit dem Familienunternehmen favorisiere, sehe sich Vorstandschef Manfred Wennemer durch diese Haltung offenbar in seiner Verteidigungsstrategie behindert, berichtete "Die Welt". Die Aktionäre würden so um ihre Übernahmeprämie gebracht, heiße es in Unternehmenskreisen.

Eklat vor Aufsichtsrat vergangene Woche

Zum Eklat soll es dem Bericht zufolge vor der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch gekommen sein. Demnach schlug von Grünberg vor, dass er und sein Stellvertreter, IG-BCE-Vorstandsmitglied Werner Bischoff künftig gemeinsam mit dem Vorstand die Verhandlungen mit Schaeffler führten. Das habe Wennemer vehement abgelehnt. "Das Tischtuch zwischen den beiden ist zerrissen", zitierte das Blatt eine mit den Vorgängen vertraute Person. "Die Vertrauensbasis ist weg." Ein Conti-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Schaeffler hatte vor vier Wochen ein erstes Übernahmeangebot abgegeben und erklärt, bereits Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Conti-Aktien zu haben. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden Differenzen zwischen von Grünberg und Wennemer deutlich. Kurz nachdem der Vorstandschef das Schaeffler-Angebot brüsk abgelehnt hatte, riet der Conti-Chefkontrolleur von einem Kampf um jeden Preis ab.

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