Regierung feiert Musharrafs Rückzug

18. August 2008, 14:06
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"Sieg für die demokratischen Kräfte" - Jubel in den Städten - Genugtuung auch in Kabul

Islamabad/Kabul - Die pakistanische Regierung unter Ministerpräsident Yousaf Raza Gilani hat den Rücktritt von Staatschef Pervez Musharraf am Montag lebhaft begrüßt. "Das ist ein Sieg für die demokratischen Kräfte!", sagte Informationsministerin Sherry Rehman in der Hauptstadt Islamabad. Der Schatten der Diktatur, der so lange über dem Land gelegen sei, werde nun schwinden. Musharrafs Präsenz an der Staatsspitze habe sich als unüberwindliches Hindernis für den Prozess der "demokratischen Transition" erwiesen. Der pakistanische Botschafter (Hochkommissar) in London, Wajid Hasan, sagte dem TV-Sender Sky, Musharraf habe Pakistan "großen Schaden" zugefügt, unter seiner Herrschaft sei das Land zum "Epizentrum des Terrorismus" geworden.

Hunderte Menschen haben in den Städten Pakistans den Rücktritt des 1999 durch einen Putsch an die Macht gekommenen Staatschefs gefeiert. In der südöstlichen Stadt Multan freuten sich besonders Juristen, die mehrfach mit Musharraf aneinandergeraten waren. Sie stürmten aus den Gerichten, tanzten auf der Straße und riefen "Nieder mit dem amerikanischen Strohmann!" In der Metropole Karachi, dem Handelszentrum des Landes, wurden bei Jubelfeiern Süßigkeiten verteilt.

Afghanische Regierungssprecher begrüßten den Rücktritt Musharrafs. Man hoffe, dass dieser Schritt die Demokratie in Pakistan und Afghanistan stärken werde, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Kabul. In Pakistan wurden Spekulationen laut, Musharraf könne möglicherweise nach Saudi-Arabien oder in die Türkei ins Exil gehen. Diese Entscheidung werde von der demokratischen Führung getroffen, sagte der pakistanische Außenminister Shah Mahmood Qureshi. Die Regierungskoalition hatte Musharraf am Sonntag ein zweitägiges Ultimatum für seinen Rücktritt gestellt. (APA/AP/AFP/dpa/Reuters)

 

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