Ausstellungen im kommenden Kunst-Herbst 2008

18. August 2008, 14:09
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Von der teuersten jemals in Österreich gezeigte Ausstellung über Sowjetkunst und zahlreichen Personalen bis zu junger Kunst

Albertina
"Gezeichnete Bilder" - Vincent Van Gogh
"Nach 1970 - Österreichische Kunst aus der Albertina"

Vincent Van Gogh, dessen "Gezeichnete Bilder" der Albertina ab dem 5. September die teuerste jemals in Österreich gezeigte Ausstellung bescheren. 100 Zeichnungen und 50 seiner bedeutendsten Gemälde hat Direktor Klaus Albrecht Schröder aus allen Van Gogh-Zentren der Welt versammelt und für deren Versicherung gar eine Gesetzesänderung erwirkt. Im Belvedere setzt man unterdessen auf Gustav Klimt und Arnulf Rainer, im MAK auf Heimo Zobernig und in der Kunsthalle auf Edward Hopper.

Van Gogh sprengt Maximen, jedoch nicht nur auf finanzieller Seite: 50 Jahre lang gab es keine Ausstellung seines Werks in Österreich, schon gar nicht mit diesem ungewöhnlichen Schwerpunkt: Denn die berühmten Gemälde Van Goghs werden hier seinem unbekannteren zeichnerischen Werk gegenübergestellt. Dieses sei "eine Leitwährung für sein gesamtes Schaffen" gewesen, wie Schröder betonte, die Beschäftigung mit seiner Strichführung in den grafischen Arbeiten eröffne ein neues Verständnis seiner Gemälde. Die gemalte und gezeichnete Ausfertigung des selben Motivs stellt die Ausstellung daher wenn möglich gegenüber. "Der Künstler diskutiert mit sich selbst", bezeichnete Sjraar van Heugten, Kurator und Van Gogh-Experte vom Amsterdamer Van Gogh-Museum gegenüber Journalisten diese Vorgangsweise.

Damit nicht genug, eröffnet die Albertina im Oktober auch ihre neuen Ausstellungsräume im zweiten Obergeschoß. Von 17. Oktober bis 11. Jänner ist dort als erste Präsentation "Nach 1970 - Österreichische Kunst aus der Albertina" zu sehen: Jüngere Sammlungserweiterungen des Museums von Attersee bis Frohner, von Gironcoli bis Hollegha, von Lassnig bis West. Mit dem Schweizer Kunsthändler Eberhard Kornfeld präsentiert außerdem ein weiterer Privatsammler seine Schätze. Anlässlich seines Geburtstages bringt er unter dem Titel "Wege der Moderne" (7.11. bis 18.1.) 200 Werke mit Namen wie Pablo Picasso, Sam Francis oder Alberto Giacometti nach Wien.

Belvedere
"Gustav Klimt und die Kunstschau"

"Misch und Trennkunst"

Das Belvedere bietet solch übermächtigen Projekten mit seinem publikumswirksamsten Künstler Paroli: "Gustav Klimt und die Kunstschau" gedenkt zu ihrem 100-jährigen Jubiläum dieser gewaltigen Kunstausstellung von 1908, bei der sich die wichtigsten Vertreter der Wiener Moderne auf einem eigens aufgebauten Gelände präsentierten. Ein Großteil der ursprünglichen Exponate, darunter auch Klimts "Kuss", werden im Original gezeigt, zum Teil sogar in Nachbauten der damals konstruierten Ausstellungsräumlichkeiten (1. 10. bis 18. 1.). In der benachbarten Orangerie zeigt das Belvedere unterdessen die humorvollen Gemeinschaftsarbeiten von Arnulf Rainer und Dieter Roth. "Misch und Trennkunst" (26. 9. bis 11. 1.) enthält "vierhändige" Malereien, Fotos, Videos und Soundarbeiten. Im der Dependance "Augarten Contemporary" stellt der österreichische Künstler Constantin Luser von 11. September bis 14. Dezember seine "Handlungswolken" aus.

Kunsthistorisches Museum
"Additionen"
"Hohenzoller in Wien"

Das Kunsthistorische Museum (KHM), wo noch bis um 2. November die "Additionen" der Ära Seipel zu sehen sind, lässt den Tutanchamun-Hype im Herbst zu Ende gehen. Stattdessen präsentiert sich im Völkerkundemuseum von 19. September bis 26. Oktober die Sammlung Mamontov mit Werken der sowjetischen Künstlergruppe Kukryniksy, die in der UdSSR vor allem mit Karikaturen populär war und als Vertreter der offiziellen politischen Propaganda galt.

Im Münzkabinett des KHM wandelt man auf den Spuren der "Hohenzoller in Wien" (7.10. bis 8.2.), im Liechtenstein Museum widmet man sich der Italienischen Malerei der Spätgotik und Frührenaissance ("Auf Goldenem Grund" von 12.12. bis 14.4.) und im Kunstforum trotz Bauarbeiten den Highlights der 1976 gegründeten Fotosammlung, die seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zusammen zu sehen waren ("Fotografics - collection reloaded", von 11.9. bis 29. 10.). Die große Winterschau des Kunstforums konzentriert sich dann ab dem 14. November auf Georges Braques - als erste größere Ausstellung zu diesem Wegbereiter der Avantgarde in Österreich.

MAK
"Künstler im Fokus: Günter Brus"
"Künstler im Fokus: Heimo Zobernig"

Nachdem die Wiener Aktionisten noch bis Ende August im MUMOK stationiert sind ("Mind Expanders", 25.7. bis 30. 8.) wandert zumindest einer von ihnen ab dem 10. September ins MAK. Rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag am 27. September steht Günter Brus in der Kunstblättersammlung mit weitgehend unbekannten Einzelarbeiten und Bilddichtungen aus den späten 1970er und 1980er Jahren im Zentrum. Bis zum 25. Jänner sind dabei außerdem Zeichnungen zu sehen, die "einen neuen Abschnitt" im Schaffen des Selbstverstümmlers, Bilddichters und Malers beleuchten. Mit Heimo Zobernig ("Total Design", 21.10. bis 29.3. 2009) stellt das MAK einen weiteren "Künstler im Fokus" in der Schausammlung Gegenwartskunst vor.

MUMOK
Personale Peter Kogler

Im MUMOK hatte man Zobernig 2003 eine große Personale gewidmet, nach Erwin Wurm folgt nun Peter Kogler (30.10. bis 11.1.) in der Reihe dieser "Künstler der mittleren Generation". Seine Konfrontationen von moderner Technologie und organischen Strukturen laufen in einem logoartigen Hauptmotiv zusammen: Der Ameise. Im Rahmen der Ausstellung, die einen Bogen von frühen Arbeiten bis zu aktuellen raummodulierenden Computerprojektionen spannt, gestaltet Kogler auch eine Außeninstallation. Preisgekrönte Installationen gibt es auch in der MUMOK Factory, wo der schwedische Baloise-Gewinner 2007 Andreas Eriksson (10.10. bis 11.1.) seine Arbeiten zeigt - Fotografie, Skulptur und Malerei nehmen dabei als Gesamtinstallation aufeinander Bezug.

Kunsthalle Wien
"Western Motel. Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst"

Nebenan in der Wiener Kunsthalle feiert Direktor Gerald Matt am 3. Oktober nicht nur Geburtstag, sondern eröffnet auch "Western Motel. Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst" (bis 15. Februar). Sein Geburtstag sei allerdings auch eines der durchschlagenden Argumente gewesen, um Leihgeber wie die Yale University zu überzeugen, wie Matt bei einer Pressekonferenz erklärte. Hopper, der sich ungeachtet künstlerischer Moden der Erweiterung des amerikanischen Realismus widmete und dabei verdeutliche, "wie nahe der Realismus an der Abstraktion ist" wird in der Ausstellung in einem "Dialog mit der zeitgenössischen Kunst" gezeigt. Die für die halle 2 geplante David Hockney-Schau wurde im Mai abgesagt, stattdessen zeigt hier der litauische Künstler Zilvinas Kempinas seine Video-Installationen - bei denen die Videokassette jedoch nicht als Datenträger, sondern als Objekt benutzt wird (31.10 bis 25.1.).

Leopold Museum
"Christian Schad (1894-1982)"

Noch eine Tür weiter findet sich statt Realismus Neue Sachlichkeit, statt Konfrontation eines Künstlers mit unseren Zeitgenossen, die mit seinen eigenen: Dem deutschen Maler Christian Schad (1894-1982) ist im Leopold Museum seine erste Retrospektive in Österreich gewidmet, 110 seiner Werke werden 60 Vergleichsbeispielen von Picasso, Cocteau oder Margritte gegenübergestellt (29.9. bis 6.1.).

Kunsthaus Wien
"Der unbekannte Hundertwasser"

Nach Alfred Hrdlicka, Hermann Nitsch und Günter Brus steht gegen Jahresende ein weiterer Geburtstag eines österreichischen Künstler-Granden an. Friedensreich Hundertwasser wäre am 15. Dezember 80 geworden, im Kunsthaus Wien wird dieser Anlass mit der Ausstellung "Der unbekannte Hundertwasser" von 20. November bis 15. März gefeiert. Vor allem Gemälde, die sonst in privaten Sammlungen verborgen sind, sowie nach Hundertwassers Tod fertiggestellte Architektur-Projekte bilden das Herzstück der Schau.

Sammlung Essl
"Markus Muntean und Adi Rosenblum"

Platz für neue Kunst gibt es in der Sammlung Essl, im Wiener Künstlerhaus und in der Wiener Secession. In Klosterneuburg zeigt das in Wien lebende Künstlerpaar Markus Muntean und Adi Rosenblum aktuelle Malereien und Videos (12.9. bis 1.2.), in der Secession stellt der deutsche Konzeptkünstler Klaus Weber seine jüngsten Werke aus und im Künstlerhaus begegnet man von 10. bis 21. September der Grafikerin und Zeichnerin Lore Heuermann. Sowie ihren kalligraphischen Bewegungsstudien, die sie als Mitzeichnungen bei Tanz- oder Musikperformances entstehen lässt. (APA)

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