Schwarz-Blau "good news" für die Börse

21. Februar 2003, 18:09
7 Postings

Volkswirte und Analysten sehen ÖVP-FPÖ-Neuauflage grundsätzlich positiv

Wien - Grundsätzlich positiv sehen Volkswirte und Analysten heimischer Großbanken die sich abzeichnende Neuauflage einer schwarz-blauen Bundesregierung. Bis dato sei die schwarz-blaue Koalition gut für die Börse gewesen, sagte Erste Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck am Freitag. Schließlich habe Wien die Weltbörsen im selben Zeitraum outperformt. Bei gleich bleibenden politischen Inhalten glaubt Mostböck auch weiterhin an eine positive Wirkung auf den Wiener Aktienmarkt.

Als "good news für die Börse" sieht auch Bank Austria Creditanstalt (BA-CA)-Analyst Alfred Reisenberger die sich abzeichnende Regierungsbildung: "Die Privatisierungen werden so kommen, wie im ÖVP-Regierungsprogramm vorgestellt." Unsicherheit unter den Investoren wegen der Neuauflage der zuletzt vorzeitig beendeten ÖVP-FPÖ-Koalition sieht Reisenberger nicht. Politische Themen würden im Tagesgeschäft der Börse nicht zählen, für die Investoren stünden hauptsächlich die Privatisierungen im Mittelpunkt.

"Auf jeden Fall positiv"

Eine Regierungsbildung sei grundsätzlich "auf jeden Fall positiv. Eine handlungsfähige Regierung ist in naher Zukunft sehr wichtig", sagte BA-CA-Volkswirt Stefan Bruckbauer. Wünschenswert sei nun eine rasche Umsetzung der Regierungsvorhaben, denn am Anfang einer Legislaturperiode sei der politische Spielraum am größten. "Die Themen liegen am Tisch, die Lösungen ebenfalls. Nun müssen die Ergebnisse in einer mehrheitsfähigen Art der Bevölkerung präsentiert werden", so Bruckbauer weiter.

Bei der Haushaltssanierung sieht Bruckbauer Österreich in einer "relativ komfortablen Situation", denn die 3-Prozent-Defizitgrenze drohe bei weitem nicht überschritten zu werden. Einer Politik "Steuern senken ohne die Ausgaben zu senken" schiebe ohnehin der Stabilitäts- und Wachstumspakt einen Riegel vor. Längerfristig stelle sich daher aber die Frage, wie viel vom Sozialstaat überbleibt, sollten Steuern und Abgaben nachhaltig gesenkt werden.

Farbliche Zusammenstellung zweitrangig

Ein größeres stimulierendes Konjunkturpaket von einer neuen Regierung erwartet der BA-CA-Experte nicht. Die Möglichkeiten seien grundsätzlich beschränkt und die "Zeit bereits weit fortgeschritten". Zusätzliche fiskalische Belastungen größeren Ausmaßes dürften wegen des starken Widerstands gegen Steuererhöhungen aber ebenso ausbleiben.

Im Grunde hält Bruckbauer die farbliche Zusammenstellung einer neuen Regierung ohnedies für zweitrangig: Jede Konstellation habe "sehr ähnlich Einstellungen" zu den anstehenden Herausforderungen. Nur bei der Umsetzung der Maßnahmen gebe es gewisse Unterschiede. (APA)

Share if you care.