"Das hat schon Disco getötet"

22. Februar 2003, 18:00
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Moloko halten weiter den Spagat zwischen Pop und Dance - Schubladen und Schablonen unerwünscht

Wien - Moloko haben mit ihren ersten drei Studioalben Trends geprägt, aber nicht verfolgt. Mit der neuen CD "Statues" (musica) bewegen sich Roisin Murphy und ihr mittlerweile nur noch künstlerischer Partner Mark Brydon wieder einen Schritt weiter weg vom zuletzt Gebotenen. Die Produktion sei "sehr emotionell" geworden, meinte die in Dublin geborene Sängerin vor Journalisten in Wien. "Wir wollten wieder etwas Neues machen - that`s it."

Die Songs "sind ein Spiegel der Tatsache, dass wir uns verändert haben, älter geworden sind", sagte Roisin. "Unsere Musik war immer ehrlich. Wir wollten diesmal ein direkteres Album einspielen. Warum hätten wir uns verstellen sollen? Wir gehen ja nicht nach einer bestimmten Formel vor." Kritik an der Szene darf hier durchaus angebracht werden: "Schlechte Dance-Music ist von Schablonen besessen. Da wird stets nach dem gleichen Muster vorgegangen. Das hat schon Disco getötet."

Zwischen den Zielgruppen

Die Folge liege auf der Hand: "Dem Genre tut das nicht gut. Die Leute gehen nicht mehr in die Nightclubs, weil sie dort dieselbe Musik vorgesetzt bekommen wie in den Fitness-Studios oder in den Supermärkten." Wie steht die Moloko-Sängerin aber zu den eigenen Erfolgen? Was geht ihr durch den Kopf, wenn sie ihre Songs im Kaufhaus hört? Roisin ohne nachzudenken: "Ich wäre eine Lügnerin, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich mich darüber freue, wenn meine Musik beim Mainstream ankommt."

Doch angepasst sind Moloko nicht geworden. "Unsere Platte rangiert derzeit in den Top Ten der britischen Charts", berichtete Murphy. "Dabei war es sehr schwierig, dieses Album im Radio unterzubringen. Für die Dance-Stationen klingen wir zu sehr nach Mainstream, für die Pop-Sender nicht kommerziell genug." Das Problem liegt auf der Hand: "Je mehr Musik in Schachteln gesteckt wird, um sie besser zu verkaufen, umso schwerer haben es Acts wie Moloko. Weil die Marketingstrategen nicht die Zielgruppe definieren können."

Optimistisch

Schwarz sieht Roisin Murphy die Situation deswegen nicht: "Da gibt es am Rummelplatz diese Spielapparate, wo aus Löchern immer mehr Köpfe auftauchen, auf die man mit einer Keule schlagen muss, um Punkte zu sammeln. Wir tauchen auch immer wieder auf, das ist Moloko." (APA)

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