Wandernde embryonale Stammzellen beobachtet

23. Februar 2003, 14:00
posten

Im Gehirn von lebenden Ratten bewegten sie sich zum Herd eines Schlaganfalls

Köln - Erstmals haben Forscher die Wanderung embryonaler Stammzellen im lebenden Organismus verfolgt. Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für neurologische Forschung und der Universität Köln beobachteten mit Hilfe eines speziellen Kernspintomographen, wie sich implantierte embryonale Stammzellen im Gehirn von Ratten gezielt zum Herd eines Schlaganfalls bewegten und dort in Nervenzellen verwandelten.

Dies belegt nach Angaben der Mediziner, dass embryonale Stammzellen neue Chancen für eine Gewebeersatz-Therapie bei Schlaganfall eröffnen könnten. Nach Schlaganfällen oder bei neurodegenerativen Erkrankungen gilt die Einpflanzung embryonaler Stammzellen als vielversprechender Ansatz, um Nervenzellen im Gehirn neu zu bilden. Die Stammzellen müssen jedoch zunächst zu den richtigen Hirnregionen geführt werden, wo sie sich zu Nervenzellen umbauen und dann in funktionale Verschaltungen des Gehirns eingebaut werden.

Bisher rückwirkend verfolgt

Bisher konnten die Migration und die Weiterentwicklung von Stammzellen im Gehirn nur rückwirkend verfolgt werden, indem man das Hirngewebe nach dem Tod mit unterschiedlichen Färbetechniken untersuchte. Damit erhielten Forscher jedoch nur Momentaufnahmen und keine Informationen über den tatsächlichen Verlauf der Wanderung und Entwicklung der Zellen.

Nun beobachteten die Wissenschafter erstmals die Bewegung embryonaler Stammzellen mit Hilfe eines hoch auflösenden Kernspintomographen über einen längeren Zeitraum hinweg. Dazu lösten die Forscher bei elf Ratten in der rechten Hirnhälfte einen Schlaganfall aus und pflanzten ihnen zwei Wochen später die speziell präparierten Stammzellen in die gesunde Hirnhälfte ein. Zur Kontrolle implantierten sie markierte Stammzellen auch in drei gesunde Ratten.

Chemische Signale vermutet

Mit einem neu neuartigen Färbeverfahren konnten die Forscher selbst kleinste Gruppen von weniger als 100 Stammzellen mit starkem Kontrast gegenüber dem Wirtsgewebe beobachten. Innerhalb von drei Wochen wanderten die Stammzellen in die andere Hirnhälfte und sammelten sich an dem geschädigten Bereich an. Deshalb vermuten die Forscher, dass dieser Bereich chemische Signale aussendet, die für die Lenkung der Zellen in das Zielgebiet verantwortlich sind.

In der Schlaganfall-Region selbst wurden die embryonalen Stammzellen vor allem zu adulten Neuronen- und Gliazellen. Daraus schließen die Wissenschafter, dass es in dieser Region einen weiteren Signalgeber gibt, der die spätere Funktion der zuvor noch völlig undifferenzierten Stammzellen im Zielgebiet bestimmt. Die Wanderung trat nur bei den kranken Ratten auf, in den gesunden Tieren bewegten sich die Stammzellen dagegen nicht. Forschungsleiter Mathias Hoehn glaubt jedoch, dass erst weitere Untersuchungen mit längerer Beobachtungsdauer zeigen müssen, ob es zu einer Erholung der funktionellen Hirnaktivität und später auch zu einer Verbesserung im Verhalten kommt. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.