Mein Tag mit Marilyn

22. Februar 2003, 10:00
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Wieder aufgetauchter Amateurfilm zeigt die Monroe beim Einkaufsbummel mit einem 14-jährigen Schulschwänzer

New York - Die schönsten Stunden im Leben von Peter Mangone liegen nun schon gut 48 Jahre zurück. 1955 durfte er als 14-jähriger Schulschwänzer ein paar Stunden mit Marilyn Monroe in New York verbummeln. Fünf Minuten und 30 Sekunden davon bannte er mit Hilfe einer Amateurkamera auf Zelluloid. Doch trotz der unvergesslichen Stunden ging der Film verloren, bis er im vergangenen Jahr wieder auftauchte. Ein Filmlabor brachte den Film jetzt auf abspielbares Format, und siehe da: Er ist wie neu. Seitdem reißen die Nachfragen nach den bisher unbekannten Aufnahmen nicht ab.

"Ich weiß es noch ganz genau. In einer Zeitung habe ich gelesen, dass Marilyn nach New York kommt und dort im Gladstone absteigt. Jeden zweiten Tag schwänzte ich die Schule, um vor dem Hotel auf sie zu warten. Nach einer Weile kannte sie mich. Sie mochte mich gerne", erzählt der inzwischen 63-Jährige, als wäre das Treffen mit dem Hollywood-Star erst gestern gewesen. Eines Tages lädt sie ihren jungen Fan zu einem Bummel über die Fifth Avenue ein. Gemeinsam mit dem befreundeten Fotografen Milton Greene besuchen Marilyn Monroe und Mangone Schuh- und Designerläden, unbehelligt von irgendwelchen Leibwächtern. Mangone zückt immer wieder die Acht-Millimeter-Kamera seines Bruders.

"Sie war einfach wunderschön"

Die Aufnahmen zeigen einen strahlenden Star in schwarzem Pullover und braunem Mantel mit Pelzkragen. Immer wieder lächelt Marilyn Monroe ihren jungen Bewunderer an, wirft ihm Luftküsse zu, lacht aus vollem Hals. Dann wieder gibt sie sich völlig ungezwungen, gähnt, stolpert oder reibt sich ein Sandkorn aus dem Auge. Zu dem Zeitpunkt hatte sie gerade ihre Scheidung von dem Baseball-Star Joe DiMaggio hinter sich und versuchte mit allen Mitteln, vom Image des blonden Dummchens loszukommen.

"Sie war einfach wunderschön. So zerbrechlich. Wer sie einmal sah, konnte ihr Bild nicht mehr vergessen. In meinen Augen war danach keine andere Frau mehr wie sie...", sagt Mangone. So ein Kompliment aus seinem Munde ist besonders ehrenvoll, denn als Friseur in Palm Beach zählt er zahlreiche Hollywood-Schönheiten zu seinen Kundinnen.

"Vielleicht mache ich einen schönen Bildband...."

Zu Hause angekommen, schaut sich der junge Peter den Film nur einmal an, dann legt er ihn in seine Pappverpackung zurück und vergisst ihn angeblich. Drei Jahre nach seinem ungewöhnlichen Bummel und vier Jahre vor dem Tod der Monroe mistet er sein Zimmer aus. Plüschtiere und Plastiksoldaten landen im Müll, zusammen mit dem - so denkt er - Film. Erst als sein Bruder nach dem Tod des Vaters das Elternhaus bezieht, stößt er beim Aufräumen in einem der Schränke auf alte Filmkartons: Die Aufnahmen hatten all die Jahrzehnte unbeschadet überstanden.

"Sie sind in einem perfekten Zustand. Da der Film in seiner Originalverpackung überwinterte, weist er keinen einzigen Kratzer auf. Auch die Farben sind unverändert", schwärmt Russ Suniewick aus dem Fotolabor von Rockville (Maryland), das die Amateuraufnahmen auf gängiges 16-Millimeter-Format überspielte. Seit die Nachricht von den unbekannten Aufnahmen der Hollywood-Legende die Runde machte, reißen die Nachfragen bei Mangone nicht mehr ab. Vorsorglich hat er sich einen Anwalt genommen, um den Vertrieb zu verwalten. Genau weiß er noch nicht, was er mit seinem kleinen Schatz anfangen will: "Vielleicht mache ich einen schönen Bildband....". (APA)

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