Machtkampf auf dem Höhepunkt

25. Februar 2003, 12:11
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Williams und McLaren wollen Reform per Gericht stoppen - Lauda: "Das hilft im Moment gar nichts"

London - Streit statt Sport: Die Formel 1 wirkt zwei Wochen vor dem Saisonstart so chaotisch wie selten zuvor. Ausgerechnet in der schwersten Krise der Serie seit Jahrzehnten hat der Machtkampf in der Königsklasse seinen Höhepunkt erreicht. Der Protestbrief der Teamchefs Frank Williams und Ron Dennis sowie der angekündigte Gerichtsgang stießen teilweise auf herbe Kritik.

Fronten verhärtet

"Das hilft im Moment dem Sport gar nichts", sagte etwa Österreichs dreifacher Formel-1-Weltmeister Niki Lauda in RTL. "Ich bin erschocken und absolut erstaunt", meinte BAR-Chef David Richards: "Das ist das Letzte, was der Sport derzeit gebrauchen kann." Vor dem ersten WM-Lauf am 9. März 2003 in Melbourne scheinen die Fronten total verhärtet, der Sport nur noch eine Nebenrolle zu spielen.

McLaren und Williams vs. Regelreform

Der Weltverband (FIA) reagierte auf die McLaren/Williams-Ankündigung, die Regelreform mit Hilfe des Schiedsgerichts stoppen zu lassen, offiziell gelassen. "Wir betrachten die Angelegenheit als Sturm im Wasserglas", erklärte FIA-Präsident Max Mosley der britischen Zeitung "Guardian" (Freitag-Ausgabe). Dem Vernehmen nach beeinflusst die Anrufung des Gerichts den Saisonstart nicht. Das Schiedsgericht ist die Internationale Handelskammer in Paris, getagt werden soll in Lausanne. Es könne Monate dauern, bis das Verfahren anlaufe, möglicherweise bis Saisonende, hieß es aus FIA-Kreisen.

Existenzängste bei Bernie Ecclestone

Inzwischen machte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone mit einer äußerst düsteren Zukunftsprognose noch einmal Stimmung für die Regelreform. "Wenn wir nicht radikale Einschnitte machen, werden wir nicht überleben", betonte er in einem Interview der Formel-1-Sonderausgabe "auto, motor und sport". Der Brite macht die Autokonzerne für das Kostenproblem verantwortlich.

Schere zwischen reich und weniger reich

"Die Hersteller sind bereit, sehr viel Geld in den Erfolg zu investieren. Das ist ungesund für den Sport. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer", sagte Ecclestone. Die Folgen dieser Entwicklung seien dieselben wie in der Weltwirtschaft: "Der Ballon wird platzen." Nach wie vor steht zudem die Ankündigung der Hersteller im Raum, eine eigene Serie zu gründen. Nach Ecclestones Ansicht ist dies in der Krise besonders schädlich: Diese Unsicherheit halte Sponsoren ab.

Ersters Training in 13 Tagen

Die Situation ist so schwierig wie selten zuvor. Gerade jetzt sollten die Details zur Umsetzung der neuen Regeln gemeinsam geklärt werden, da in 13 Tagen bereits das erste Training zum Grand Prix von Australien in Melbourne stattfindet. Stattdessen wird gestritten.

BMW hinter Williams

BMW stellte sich hinter Partner Williams. Der habe BMW über die Initiative und den Inhalt vorab informiert, sagte BMW-Technikdirektor Mario Theissen: "BMW sieht die Formel 1 nicht in einer Krise, sondern in einem Umbruch - und in solchen Zeiten hat es immer schon intensive Diskussionen gegeben." Auch Mercedes hatte das Vorgehen seines Partners McLaren unterstützt.

Offener Brief an Max Mosley

Williams und Dennis hatten am Donnerstag in einem offenen Brief an Mosley gegen die im Jänner diktierten Regeländerungen protestiert und den Gang vor das Schiedsgericht angekündigt. Sie hatten ihr Vorgehen damit begründet, dass Mosley mit seinem Alleingang ohne Abstimmung mit den Teams gegen das Concorde Agreement verstoßen habe. Zudem sei es "irreführend, anzunehmen, dass die Formel 1 in der Krise ist", erklärte Frank Williams.

Finanzprobleme

Jedoch sind die Finanzprobleme einiger Teams weiter offensichtlich. Minardi kämpft ums Überleben, Jordan ist nur vorerst gesichert, womit der Ausstieg eines weiteren Teams aus der Königsklasse des Motorsports per Saisonende droht.(APA)

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