Das alte Testament als Öko-Handbuch

26. Februar 2003, 12:12
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Biologe: Es ist eine detaillierte Anweisung für nachhaltiges Wirtschaften

Stuttgart - Für den Göttinger Biologen Aloys Paul Hüttermann ist die Bibel als Öko-Handbuch zu sehen. In der Märzausgabe der deutschen Version des Monatsmagazins Reader's Digest behauptet er, das Alte Testament sei eine detaillierte Anweisung für nachhaltiges Wirtschaften. "Die Juden müssen bereits vor über 2.000 Jahren ein profundes Wissen über Ökologie und natürliche Zusammenhänge gehabt haben", erklärte der Fachmann.

Für den Professor für Forstbotanik und Technische Mykologie haben die ökologischen Gebote der Bibel nichts mit göttlicher Offenbarung zu tun. "Dahinter muss Jahrhunderte lange Beobachtung und Erforschung der Natur stecken, die von Generation zu Generation überliefert und schließlich aufgeschrieben wurde", sagte er. Nur weil die Juden bestimmte Gebote und Verbote respektiert hätten, sei es ihnen gelungen, "auf sehr begrenztem Raum in karger Landschaft über Jahrhunderte hinweg im Einklang mit der Natur zu leben."

Tiere

Im dritten Buch Mose werde erlaubt, dass alle Tiere gegessen werden dürfen, "nicht aber das Kamel, das Wildschwein". Die These des Biologen: Kamele waren als Transporttiere wichtig, Schweine machten den Menschen durch ähnliche Nahrungsansprüche das Essen streitig. "Rinder dagegen machen Nahrung nutzbar, die dem Menschen verschlossen bleibt", heißt es in dem Artikel.

Ebenfalls aus dem dritten Buch Mose stammt die Regel: "Von allen Tieren, die im Wasser leben, dürft ihr essen. Aber alles, was in Flüssen lebt und keine Flossen oder Schuppen hat, sei euch abscheulich". Damit sind laut dem Biologen Wassertiere gemeint, die Schädlinge vom Leib halten wie etwa Insekten fressende Amphibien.

Hüttermann liefert dafür eine Begründung: Als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Froschschenkel als Delikatesse entdeckt wurden, wurde in Bangladesch die Jagd auf das Tier ausgeweitet. Daraufhin breitete sich die Malaria auch in Gebieten aus, in denen diese Krankheit früher nicht aufgetreten war.

Bakterien

Laut dem Forscher muss das Volk Israel bereits über mikrobiologisches Wissen verfügt haben. Er zitiert aus den Reinheitsgesetzen: "Jedes Tongefäß, in das ein solches Tier (Mäuse und Ratten, Anm.) fällt, müsst ihr zerbrechen. Jede Speise, die man essen will, wird unrein, wenn Wasser aus einem solchen Gefäß darauf kommt." Offensichtlich war bekannt, dass giftige Bakterien, die sich auf Aas sehr schnell bilden, den Ton verseuchen. (APA)

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