Nachhilfe für österreichische EU-Beamte

21. Februar 2003, 13:30
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Land sei in in den oberen Etagen der Brüsseler Bürokratie krass unterrepräsentiert - Mehr Werbung, Schulungen für Interessierte gewünscht

Brüssel - Österreichs Botschafter in Brüssel, Gregor Woschnagg, will dafür werben, durch Schulungen und spezielle Einführungskurse mehr Beamte und Praktikanten für die Europäische Kommission in Brüssel zu interessieren. Derzeit ist das Land vor allem in den oberen Etagen der Brüsseler Bürokratie krass unterrepräsentiert.

"Golden handshake"

Auf Ebene der Direktoren sollen gleich drei Österreicher mit dem "golden handshake" in die Frühpension geschickt werden. Damit "überleben" nur zwei der ursprünglich fünf Direktoren, nämlich der für Energie und Verkehr verantwortliche Günther Hanreich und Wolfgang Burtscher im Agrarresort. Nach der Erweiterung könnten weitere Spitzenbeamte vorzeitig verabschiedet werden, befürchtet Woschnagg.

Einzige Generaldirektorin ist die für die Budgetkontrolle verantwortliche Edith Kitzmantel. Heinz Zourek - ursprünglich im Binnenmarktressort - ist stellvertretender Generaldirektor für Unternehmenspolitik. Dänemark stellt zwar auch nur einen Generaldirektor, hat dafür aber acht Direktoren an den Brüsseler Schalthebeln sitzen. Schweden ist mit fünf Direktoren vertreten, Finnland mit drei, wie aus einer Übersicht der EU-Kommission hervorgeht.

Insgesamt stellt Österreich 374 Beamte, davon 208 in der höheren Laufbahn. Schweden ist mit 413 Beamten vertreten, darunter 242 "A-Beamte", und Finnland mit 508. Im Falle Finnlands erklärt sich diese "Überrepräsentierung" allerdings durch einen eigenen Sprachendienst.

Bewerbungsanzahl zeigt geringes Interesse einer europäischen Beamtenkarriere

Wie gering das Interesse in Österreich an einer europäischen Beamtenkarriere ist, zeigt schon, dass nur gerade sechs Bewerbungen für eigene Vorbereitungskurse in Wien eingegangen sind. Auch die Diplomatische Akademie bietet spezielle Kurse - etwa zur Konferenztechnik - an, die offenbar nicht auf regen Zuspruch stoßen. Die maximal dreijährige Entsendung nationaler Beamter nach Brüssel wird derzeit nur von 40 nationalen Experten in Anspruch genommen, dazu kommen acht Beamtenpraktikanten. Ohne eine Gesetzesänderung werde sich daran auch nicht viel ändern, befürchtet Woschnagg. Viele sehen die Brüsseler Zeit als "Karrierehindernis" an. Bei der Rückkehr "muss man sich wieder ganz hinten anstellen." Insgesamt arbeiten rund 20.000 Beamte in der Brüsseler Bürokratie. Nach der Erweiterung sollen rund 3440 weitere Mitarbeiter aus den neuen Ländern eingestellt werden. (APA)

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