Mehr als 500 Jahre Schnupftabak

21. Februar 2003, 13:21
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Der berauschende Effekt des Tabakgenusses polarisierte von Anfang an

Wien - Der Schnupftabak blickt auf eine mehr als 500 Jahre lange Tradition zurück. Bereits im 15. Jahrhundert, als Kolumbus an der Küste Kubas vor Anker lag, schrieb er den ersten Bericht über die damals in Europa noch unbekannte Tabakpflanze. Der berauschende Effekt des Tabakgenusses polarisierte die Meinungen der Europäer von Anfang an. Religion und Aberglauben führten zunächst aber eher zur Ablehnung der "fremden Kräuter".

Ausgerechnet die Medizin vermutete in der weiteren Folge, mit dem Tabak eine neue Heilpflanze entdeckt zu haben. Dies ist vor allem auf den Arzt und Diplomaten Jean Nicot zurückzuführen, der 1559 als Gesandter der französischen Königin Caterina de Medici an den portugiesischen Hof kam. Nicot empfahl seiner Königin Schnupftabak als Heilmittel gegen Migräne und war dabei sehr erfolgreich. Nicot fungierte darüber hinaus als Namensgeber für die Bezeichnung Nikotin, das sich in allen Sprachen Europas eingebürgert hat. Das Schnupfen wurde daraufhin neben dem Kauen zur verbreitetsten Art des Tabakkonsums auf dem europäischen Kontinent und blieb es auch für einige Zeit.

Einzug in die Oberschicht

Im 18. Jahrhundert wurde das Schnupfen auch in der Oberschicht gesellschaftsfähig. Diese Entwicklung ging Hand in Hand mit dem Aufkommen der Tabakdosen, die aus wertvollsten Materialien wie Elfenbein, Porzellan oder Horn hergestellt und mit kostbaren Edelsteinen besetzt waren. Die Dosen waren ein wesentlicher Bestandteil des Rokoko-Kostüms und wurden genau auf die Kleidung sowie den jeweiligen Anlass abgestimmt. Sie dienten der feinen Gesellschaft allerdings nicht nur als Schmuck, sondern auch als exklusive Bestechungsgegenstände und Geschenke. Eine Aufmerksamkeit, welche Friedrich der Große - übrigens neben Napoleon einer der prominentesten Schnupfer des 18. Jahrhunderts - gar nicht erst abwartete. Er war dem Mythos zufolge nämlich dafür berüchtigt, öfters einmal "versehentlich" die eine oder andere üppig verzierte Schnupftabakdose seiner Gäste einzustecken. (APA)

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